Golf für Puristen
Kolumne SG
Pacific Dunes, Linksplatz in Oregon - Foto: Wood Sabold
Die wenigsten Kurse sind "richtige" Linksplätze

Als passionierter Golfer und Golfplatzarchitektur-Aficionado bin ich schon seit Langem ein Fan von Linksgolf. Immerhin waren die ersten Golfplätze allesamt auf sogenanntem „Linksland“, zudem werden immer
zahlreiche Linksplätze unter die „Top 20“ der Welt gewählt (Old Course at St. Andrews, Muirfield, Turnberry, et al.). Praktisch alle berühmten Architekten, von Pete Dye bis zu Tom Doak, studierten die legendären Linksplätze und ließen sich von deren Design beeinflussen. Mit dem Thema befassen sich auch mehrere Bücher, unter anderem „Links Golf – eine Insiderstory“ von Paul Daley und „True Links“ von Malcolm
Campbell und George Peper. Hierzulande hat praktisch schon jeder Golfer von „Linksplätzen“ gehört. Jedoch habe ich den Eindruck gewonnen, dass viele nicht wissen, was ein „richtiger Linksplatz“ ist (bzw. welcher Kurs KEINER ist).

Es gibt zahlreiche unterschiedle Definitionen von „Linksplatz“ – ich suche bis heute eine, der ich zu 100% zustimmen kann. Auf de.wikipedia.org wird „Linksland“ wie folgt definiert - http://de.wikipedia.org/wiki/Linksland

Ich habe jedoch auch schon eine Definition gehört, dass ein Linksplatz in der Nähe einer Flussmündung ins Meer liegen muss (dem stimme ich persönlich jedoch NICHT zu). Andere Experten meinen, dass ein Platz, der auf einer vom Meer geformten Dünenlandschaft liegt, ein Linksplatz ist. Dies trifft unter anderem auf Sand Hills in Nebraska zu (www.extragolf.at/runde-des-lebens), obwohl das nächste Meer weit über 1.000 Kilometer entfernt ist. Ich schließe mich dieser Meinung nicht notwendigerweise an, obwohl ich sie verstehen und nachvollziehen kann.

Entgegen mancher Aussagen ist es eindeutig falsch, dass jeder Platz, der am Meer liegt, automatisch ein Linkskurs ist! Weiters gibt es auch sogenannte „Inland-Links“ (im Landesinneren), denen ich mich hier jedoch nicht widmen möchte. Ich meine, ein Linkskurs muss auf „Linksland“ in der Nähe eines Meeres liegen und über natürliche Dünen verfügen und mit möglichst wenigen Erdbewegungen gebaut werden. Linksplätze haben meist wenige oder gar keine Bäume und keine großen Wasserhindernisse (wie Teiche). Das klassische Routing eines Linkskurses ist „out and in“ (9 Löcher weg vom Clubhaus und die anderen 9 wieder zurück – sodass das 9. Grün am weitesten vom Clubhaus entfernt ist).
In der Regel haben Linksplätze zahlreiche (oft auch tiefe) Bunker, keine künstlich bewässerten Fairways und (hohes) Rough aus lokalen Gräsern. The Links Association erkennt insgesamt 246 Plätze auf der ganzen Welt als Linkskurse an, von denen sich 210 auf den britischen Inseln befinden (www.migrantgolfer.com/thetrue-links-courses-of-the-world).

Trotz gegenteiliger Meinung und/oder Behauptung mancher Golfer bzw. vieler Marketingspezialisten sind nicht alle Plätze, die am Meer liegen oder einem Linksplatz nachempfunden wurden, auch „richtige“ Linkskurse. So sind unter anderem Pebble Beach Golf Links, The Links at Spanish Bay, Ocean Course @ Kiawah Island, Yas Links (in Abu Dhabi), Whistling Straits, The Links @ Fancourt (in Südafrika), Alcaidesa Links (in Spanien) oder Lykia Links (in der Türkei) eindeutig KEINE Linkskurse per definitionem.

Auf einem authentischen Linkskurs am Meer zu spielen, meist mit Wind und/oder Regen, ist für mich ein ganz besonderes Erlebnis. Man spielt Golf in seiner „pursten“ und ursprünglichen Form und kämpft praktisch immer gegen den Platz und die Elemente. Bälle, die über die harten Fairways und Grüns hüpfen und laufen und dabei oft unberechenbar springen, sind Teil dieses wunderschönen Spiels. Ich wurde bereits oft (und wahrscheinlich nicht zu Unrecht) als „Schönwetter-Golfer“ bezeichnet bzw. geschimpft. Jedoch spiele ich in Irland und Schottland auch bei Regen, niedrigen Temperaturen und unwirtlichen Bedingungen mit einer entsprechenden Begeisterung. „Kein Wind, kein Golf“, so ein altes schottisches Sprichwort.

Ich rate allen Golfenthusiasten, zumindest einige Linksplätze in Schottland und Irland zu spielen (zwei meiner absoluten Lieblingsgolfdestinationen). Man sollte nur einen guten Regenanzug (ich habe einen von Galvin Green, der für mich einer der besten ist) und warme Kleidung einpacken (dies gilt übrigens auch im Sommer). Weiters sollte man sich bereits vor Abflug psychisch auf weniger schönes Wetter einstellen. Mit ein wenig Glück kann man auch mehrere Tage trocken und auch bei Sonnenschein erleben – erwarten sollte man dies jedoch auf keinen Fall!

Vergessen Sie niemals die alte (Binsen-)Weisheit: es gibt kein schlechtes Golfwetter, nur unpassende Kleidung! 

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