Die heimische Hotellerie - Ein Plädoyer
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Staunen wandelt sich bei zweitem Hinsehen in Erkennen und Wohlgefallen: Da ließen die Eigentümer eines Hauses in Lech am Arlberg in Bädern Zementfliesen, handgefertigte Unikate, verlegen. Dafür gaben sie mehr aus als für eine gewöhnliche Lösung, wiewohl sie damit für einen oberflächlichen Betrachter gerade einmal Nebensächlichstes verwirklicht haben. Allerdings der schöngeistige Gast wird sich in weniger exquisitem Interieur nicht so wohlfühlen. – Ich erörtere hier und heute nicht übliche hard facts, Standards, wie Freiraum gewährende Zimmergrößen, flottes WLAN oder Boxspringbetten, man erwartet sie als gegeben, sondern will bemerkenswerte Details hervorheben und soft facts & skills loben. – Ein Gegenbeispiel zu Obigem: Manchmal im Ausland finde ich mich in stylishen Boutique Hotels wieder, wo Fliesen so schlampig verlegt wurden, dass ich dem Fliesenleger die Tür gewiesen hätte, oder schlecht vernähte und zu lange Vorhänge, die sich in der Schiebetür zum Balkon verfangen, Griffteile, die abgefallen, aber nicht ersetzt wurden u. Ä. m. In einem altehrwürdigen Hotel in Seefeld agiert ein junger Concierge souverän und liebenswürdig. Sein Vorgesetzter hatte ihm offensichtlich ein gehöriges Maß Befugnisse erteilt – lean management –, er vermochte Lösungen zu meiner Zufriedenheit anzubieten. War mein Begehren exzeptioneller, holte er die Zustimmung ein und bei meinem nächsten Vorbeigehen an der Rezeption lag meine Extrawurscht bereit. Danke. In manchen Hotels von Ketten: Eine überbordende Bürokratie hinter der Wand hinter der Rezeption und alle entscheidungsbefugten Häuptlinge des dürftig belegten Hotels selten zu erreichen, weil in meetings. Der Gast bekommt seine Anliegen sehr spät oder nicht, weil zu spät, geregelt.
Schaue ich, hierzulande, in Hotels hinten raus, sehe ich immer öfter nicht nur einen Kräutergarten, sondern üppige Gemüsegärten. Dann beobachte ich, zum Beispiel in Hittisau, wie der Koch mit dem Lehrling Pflanzreihen abgeht, mal hier schmeckt, gustiert, erklärt, schließlich wie sie mit Körben voll frischem – frischer geht’s nicht – Gemüse in ihre Küche zurückkehren. Dort wird schmackhaftes Essen gekocht. Allgemein ist festzuhalten, dass Regionalität und Qualität in heimischen Restaurationsbetrieben köstlichst blühen. Demgegenüber stehen Buffets – schnödes self service –, wo über womöglich übelriechenden Warmhalte-Feuerchen Speisen ausgestellt werden, bis sie in Farbe und Konsistenz Beton ähneln. 25 Leute vor einem haben im Blechnapf gefuhrwerkt. Mahlzeit. Frühstücks-Buffets scheinen unausweichlich. Gut, wenn es in der Güte – Weißwürste aus hauseigener Metzgerei, unwiderstehlicher Marmeladen – und im „urig-gemütlichen Gewölbe“ eines Elixhausener Hotels angeboten wird. Es ist eine gute österreichische Sitte, wenn der Hausherr für seine Gäste Interesse zeigt, sich erkundigt, ob denn alles zur Zufriedenheit sei, oder mit ihnen ein kurzes Schwätzchen führt – know your customer. Der Gast fühlt sich wertgeschätzt. Als Affront empfinde ich: Fragebögen oder business reply mail, die man mich bittend nötigt auszufüllen. ExtraGolf & Reisen besucht Hotels vornehmlich in Konnex mit Golf. Golfgründer-Hotels sind eine rühmliche Einrichtung, die den Bau eines Platzes oft erst ermöglicht, die glücklich mancherorts in Österreich statthat. Meine Wertschätzung gilt Hoteliers, wie jener aus einer Hoteliers-Dynastie in Velden, die trotz erheblichem Engagement im Haus, sich ab und an die Zeit nehmen und mit ihren golfenden Gästen eine Runde gehen. Und jener es allem Anschein nach mit Freude tut. Ähnlich der Chef eines Hauses in Radstadt, einmal die Woche packt er seine Gäste in den hauseigenen Kleinbus und geht mit ihnen auf „Golfsafari“ im Ennstal.
Es gibt noch viele Kleinode in österreichischen Hotels. Unsere Hotellerie ist durch überschaubare Einheiten gekennzeichnet – small can be beautiful –; damit einhergeht, dass das Hotel oft vom Eigentümer geführt wird. Der Hausherr sieht nach dem Rechten. Er realisiert hervorragendes Design in fachmännisch guter Ausführung, bietet ausgezeichnete Küche & Keller, guten Service sowieso. Man möchte diese Unternehmer ermutigen, auf dem Weg der Qualitätsverbesserung beständig – kaizen – fortzuschreiten, und andere, ihnen nachzueifern. Ich bin überzeugt, dass sie dadurch mehr Freude an ihrer Tätigkeit haben, dass sie solcherart satte Gewinne erwirtschaften können. Man wird es ihnen gönnen.