US MASTERS 2016
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Der Traum für jeden Golfer

ExtraGolf & Reisen-Redakteur Guido Friedrich war beim US Masters am Augusta National Golfclub vor Ort.

Welcher Golffan möchte nicht zumindest einmal in seinem Leben die Magnolia Lane entlang spazieren, den Duft der Azaleen im Augusta National inhalieren und die Faszination des Masters kennenlernen? Es ist eine Reise zum vermutlich schönsten Platz im Golfsport. Eine Reise an einen Ort, an dem seit 1936 jährlich Geschichte geschrieben wird, wenn am berühmten „Masters Sunday“ der Sieger das „Green Jacket“ übergestreift bekommt und sich damit eine vergoldete Plakette im Locker Room sichert.

2016 sollte es Danny Willett sein, der sich in der Umkleide verewigt. Und ja, es war ein geschichtsträchtiges Masters. Der urplötzliche Einbruch des Führenden Titelverteidigers Jordan Spieth im „Amen Corner“ war ohne Zweifel einer der dramatischsten in der Major-Historie. Mit dem Masters 2015 eingerechnet hatte der US-Shooting star 7 Runden in Folge das Leaderboard im Augusta National angeführt und löste damit sogar Allzeitgröße Arnold Palmer ab. Aber gleich zwei Wasserbälle und eine Quattrobogey (4 über Par) auf dem Signature-Hole der 12 öffneten den Weg für den späteren Triumphator aus England.

„Das Masters beginnt am Sonntag auf den Back-9!“ Ein Satz, der selten so gut passte wie im heurigen Jahr. Und auch für mich persönlich waren die letzten gut zwei Stunden, die mit Abstand mitreißendsten und elektrisierendsten der Woche. Gewaltige Roars ertönten über dem Gelände, ein Raunen ging beim Blick auf das aktualisierte Leaderboard durch die Menge und trotzdem hätte man phasenweise ein Stecknadel fallen hören können, als tausende Fans gebannt die Bewegungen der Weltbesten Golfer verfolgten. Eine eben unvergleichliche Erfahrung! Es ist aber auch eine Erfahrung an einem Ort, wo man als Golffan die Grenzen aufgezeigt bekommt. Denn bei keinem anderen Tour Event der Welt, sind die Sicherheits-Vorkehrungen derart enorm und die Regeln derart strikt. Beginnend mit der Tatsache, dass Laufen auf dem gesamten Gelände des Augusta National GC nicht gestattet ist. Wer das Rennen um die besten Plätze auf dem Kurs gewinnen möchte, benötigt eine Olympia-Verdächtig gute Gehtechnik und einen noch besseren Überblick unter den tausenden Hineinströmenden. Selbst an mitgebrachten Proviant für die vielen spannenden Stunden innerhalb der Mauern des Augusta National ist nicht zu denken. Die Preise an den sogenannten „Concessions“ sind hingegen wieder moderat. Bewegen sich zwischen 1$ für Chips und 2$ für Getränke & Sandwiches.

Weiters, im 21. Jahrhundert zwar unvorstellbar aber wahr: Kein einziger Besucher trägt auf dem Platz ein Handy mit sich. Eindringlichst wird bereits am ersten Checkpoint vor dem großen Eingangsgelände auf das Verbot von Handy-Mitnahme hingewiesen. Und das noch Unvorstellbarere: Es hält sich JEDER daran! Wie an einer Garderobe im Theater bekommen die Zuseher ein Ticket, um sich ihr Smartphone nach Ende des Tages wieder abzuholen. Übrigens: Einzige Möglichkeit Impressionen digital festzuhalten, ist das Besuchen der Proberundentage von Montag bis inklusive Mittwoch, an denen immerhin Kameras und dementsprechend Fotos erlaubt sind.

Bei all der Strenge und Detailversessenheit muss aber auch Zeit übrig bleiben, um die perfekte Abwicklung „Inside the Ropes“ hervorzuheben. Bei vermutlich kaum einem anderen Event dieser Größenordnung wird derart effektiv vorgegangen. Sogar der Toilettengang erfolgt ohne große Wartezeit und Gedränge. Selbiges gilt übrigens auch für die Shops am Golfclub. Vorgegebene Routen und insgesamt 16 Kassen – im größten Shop – machen selbst das Einkaufen einfach und problemlos. Die Einkäufe können danach bequem an einem „Checkstand“ zurückgelassen werden, um den Tag am Golfkurs ohne mitschleppendes Gepäck genießen zu können. Top! Etwas beruhigend an all diesen Fakten ist lediglich der Umstand, dass es selbst den Mitgliedern nicht viel leichter gemacht ird. Eine Mitgliedschaft im Augusta National kann de facto nicht erworben werden. Vielmehr benötigt es eine Einladung des Golfclubs um in den Genuss einer Runde zu kommen. Erhält man eine solche, steht den Mitgliedern der Platz wiederum nur zirka 4 Monate zur Verfügung. Der restliche Zeitraum wird von den zahlreichen Greenkeepern genutzt, um den 18 Loch Kurs perfekt für das im April anstehende erste Major zu präparieren. Und ich kann versichern: Dieser Platz lebt die Perfektion! Nach den ersten Abwicklungen im Media-Center wählte ich den üblichen Presseweg zur Drive-Landezone der 1. Spielbahn. Der erste Eindruck, schlichtweg gewaltig! Die Fairways gleichen einer Abschlagmatte. Einfach jeder Grashalm ist gleich! Selbst die Grünflächen zwischen den Bahnen bzw. den „Walk Ways“ haben durchschnittliche Fairway-Qualität. Fünf Tage pilgerte ich über das Gelände und suchte nach einem kleinen Stück Unkraut. Vergeblich!

Frei nach dem Motto „Von nix kummt nix“ kann ich dazu zwei weitere kleine Anekdoten anbieten. Ich stand neben dem Abschlag der 6. Bahn (Par 3) und beobachtete einen Greenkeeper, wie er die Divots vom aktuellen Flight einsammelte und in einer Box verstaute. Kurz darauf füllte der gute Mann die blanken Flächen mit grünem Sand auf, um die hellbraunen Erdstellen zu verdecken. Fast noch unglaublicher war allerdings der Eindruck, als wiederum ein Greenkeeper am 16. Loch (Par 3) das Grün nach einem Bunkerschlag vom herausgeschlagenen Sand befreite. Denn tat säch lich jeder Spieler soll auch die gleichen Bedingungen auf dem Kurs vorfinden! Und dieser Kurs ist nicht nur phänomenal gut gepflegt und wunderschön, sondern auch verdammt schwierig und unberechenbar. Die vielen Ondulierungen auf Fairways und Grüns sind über den TV-Bildschirm kaum wahrnehmbar. Nur in den seltensten Fällen haben die Tour-Profis einen ebenen Stand oder einen geraden Putt. Die Grüns sind auf Grund ihrer Größe, Uneinsehbarkeit und der vielen Slopes definitiv das Kriterium beim Masters!

Es ist und bleibt einfach ein unvergleichbares Erlebnis die Schönheit und die Tücken des Augusta National kennenzulernen. Den Eröffnungsworten Donnerstag Früh von Chairman William Porter Payne zu lauschen. Den Honorary Starters Palmer, Player & Nicklaus beim Drive auf dem ersten Tee gespannt zuzusehen. Den Sieger auf dem Weg zum 18. Grün & 72. Loch – umzingelt von tausenden Zusehern – zu begleiten. Und in der Abendsonne von Augusta die abschließende Zeremonie vom Balkon des altehrwürdigen Clubhauses zu genießen. Und diese Zeremonie kürt nicht nur den neuen Champion. Sie läutet gleichzeitig auch den Countdown für das Masters im nächsten Jahr ein. 356 Tage Wartezeit bis sich die Gates am Augusta National wieder öffnen und das Spektakel wieder startet.