Ball-Fitting, leicht gemacht
Deschmann Kolumne10

In ca. 80 % der Fälle bekomme ich auf meine Frage: „Welchen Ball spielen Sie denn?“ keine konkrete Antwort. Das Spektrum reicht von „Was ich grad gefunden hab!“ über diverse Farb-Präferenzen und Markenangaben bis hin zu blankem Unverständnis „gibt’s da Unterschiede?“

Ja, es gibt Unterschiede und nein, der teuerste Ball ist nicht unbedingt die beste Wahl für jeden Spieler, aber jedes mal ein anderes Modell mit unterschiedlichen Eigenschaften zu spielen, ist für niemanden eine gute Lösung. Meiner Meinung nach macht es Sinn, grob nach zumindest drei Spielertypen zu unterscheiden: Einsteiger, Fortgeschrittene und routinierte Spieler. Wenn die Anzahl Ihrer Golftage, die Sie schon hinter sich gebracht haben, noch zweistellig ist, sollten Sie sich für meine Ball-Empfehlung zu der ersten Gruppe zählen. Stellen Sie am Anfang durchaus einmal Quantität über Qualität. Lassen Sie sich vom Fachmann Ihrer Wahl beraten und suchen Sie sich Bälle aus, die eine etwas härtere Schale aufweisen, im Normalfall eine 2-piece Konstruktion sind und eine gute Qualitätskontrolle über sich ergehen lassen mussten. Erfahrungsgemäß leisten das Bälle, die zwischen € 1 und € 2 pro Stück kosten. Oft gibt es solche Bälle nur in größeren Gebinden, also 12er oder 15er Packungen, zu kaufen. Dies sollte kein großes Problem darstellen, denn wenn Sie zu meinem ersten Spielertyp gehören, dann werden Sie sich des Öfteren ungewollt von einem der Bälle verabschieden und können ohne groben finanziellen Verlust beherzt zum nächsten greifen.

Ich halte es schon am Anfang für wichtig immer (relativ) neue Bälle zu spielen und immer die gleichen Bälle zu spielen. Sobald die Oberfläche des Balls zerkratzt ist, wird die Aerodynamik dadurch negativ beeinflusst und der Ball fliegt schlechter. Gebrauchte Bälle haben da natürlich das selbe Problem und deshalb rate ich davon grundsätzlich ab, egal ob gekauft oder selbst gefunden. Bälle, die Sie für deutlich weniger als € 1 erstehen können, haben in vielen Fällen eine ganze Menge anderer Nachteile. Bei diesen Bällen gibt es eine bestenfalls rudimentäre, optische Qualitätskontrolle und bei vielen kann man dann mehr oder weniger grobe Mängel feststellen. Da gibt es sichtbare Nahtstellen, Schrammen, verschobene Nähte bis hin zu nicht runden „Bällen“ und was man optisch überhaupt nicht feststellen kann ist, ob der Kern des Balls tatsächlich in der Mitte sitzt oder ob der Ball „eiert“. Wie sollten Sie mit einem solchen Produkt Ihr bestes Golf spielen?

Den Übergang vom Einsteiger zum Fortgeschrittenen bestimmen Sie selbst. Wenn Sie den Eindruck haben, bei weitem nicht mehr so viele Bälle zu verschießen wie am Anfang und Sie eindeutige Tendenzen zu einer wiederholbaren Flugkurve sehen (oder selbige schon entwickelt haben), dann ist der Zeitpunkt erreicht, sich nach einem neuen Ball für die nächste Zeit umzusehen. Sie sind nun so weit die Vorteile, die eine weichere Schale bietet, gut ausnutzen zu können, deshalb sollte Ihr nächster Ball auf jeden Fall eine solche haben.

Leider können Sie diesbezüglich den Marketing-Abteilungen der Ball-Hersteller ungefähr so weit trauen, wie Sie Ihr Bag weit werfen können. Laut den Werbetexten ist jeder Ball „weich“ und „lang“. Beim Thema „lang“ bin ich da sogar ganz der Meinung der Marketing-Abteilungen. Es gibt ein Limit dafür, wie „lang“ ein Ball sein darf und soweit mir das bekannt ist, liegen alle Marken-Bälle in einem Bereich sehr nahe an diesem Limit. Der einzige Weg hier den richtigen Ball zu finden, ist testen.

Als Richtlinie können Sie auch hier wieder den Preis pro Ball heranziehen. Bälle in der guten Mittelklasse sind so gut wie immer im 3er Pack erhältlich und kosten rund € 2,50 bis € 3,50 pro Ball. Der große Vorteil gegenüber den günstigeren Bällen ist das weichere Schalenmaterial und damit mehr Spin und mehr Kontrolle im kurzen Spiel. Aber Vorsicht! Mehr Spin bedeutet bei diesen Bällen auch mehr Kurve mit den langen Schlägen. Sollten Sie also zu der Spezies Golfer gehören, die unfreiwillig extreme Kurven spielt, dann sollten Sie die Mittelklassebälle eher meiden, da diese Ihre Slices und Hooks noch verstärken.

Als routinierter Golfer, ich möchte das nicht an irgendeinem Handicap festmachen, sollten Sie auch bei Ihren Bällen sehr wählerisch sein. Wenn Sie wiederholbar einen sauberen Ballkontakt haben, dann können Sie auch alle Vorteile, die ein Top-Ball bietet, wunderbar ausnutzen. Die Multi-Layer Konstruktionen der Spitzenklasse erlaubt einige Dinge, welche die Mittelklasse schlicht und ergreifend nicht leisten kann. Diese Leistung hat zwar ihren Preis mit rund € 4 bis € 5 pro Stück, aber auch ihren Wert. Je stärker der Ball komprimiert wird, desto weniger Spin nimmt er an, sodass man im kurzen Spiel und mit den kurzen Eisen und Wedges sehr viel Spin erzeugt und mit den langen Schlägen relativ wenig, damit der Ball in einer perfekten Flugkurve fliegen kann.

Meine Empfehlung für die Wahl des für Sie richtigen Balles lässt sich auf ein einfaches System herunterbrechen: Beginnen Sie damit, dass Sie sich eine Vorstellung darüber machen, wie viel Sie bereit sind für Bälle auszugeben. Dann kaufen Sie sich zwei bis drei Modelle des Herstellers Ihrer Wahl und testen diese ausgiebig im Kurzspiel-Bereich und auf dem Putting-Green. Dort werden Sie nämlich die größten Unterschiede bemerken und auf das passende Gefühl im kurzen Spiel sollte es Ihnen ankommen. Und als letzten Schritt nehmen Sie dann alle Modelle, die noch immer für Sie in Frage kommen mit auf die Runde und testen sie auch im langen Spiel. Mit dieser Prozedur kommen Sie zu einem Ergebnis. Mein aktueller Ball hat sich genau so herauskristallisiert. Ich habe zwei Modelle gefunden, die mir sehr sympathisch sind und habe mich dann für eines der beiden entschieden. Welchen Grund Sie dabei für Ihre Auswahl heranziehen ist nicht so wichtig. Entscheidend ist, dass Sie besseres Golf spielen werden, wenn Sie immer mit dem gleichen Ball unterwegs sind, und nicht jedes Mal mit einem vollkommen unterschiedlichen.