Meine Schläger bitte mit Schwunggewicht D2
Deschmann Kolumne
Meine Schläger bitte mit Schwunggewicht D2

Schwunggewicht ist grundsätzlich eine gute Idee. Aber wie alles, das „eigentlich“ ganz gut ist, gibt es auch hier eine ganze Menge Probleme und Fehler.

In den 1920er Jahren erfand ein Schotte die Schwunggewichts-Skala. Damals ist man allerdings von vollkommen anderen Golfschlägern ausgegangen. Jeder Schläger wurde für den jeweiligen Spieler handgefertigt. Alle Eisen und alle Hölzer hatten untereinander dieselbe Schaftlänge und dasselbe Material und haben sich im Wesentlichen nur durch den Loft der Schlagfläche unterschieden. Wenn man heute alle Schläger nach derselben logarithmischen Skala vermisst, dann führt das unweigerlich dazu, dass sich ein Driver mit 45 Inch Schaftlänge und einem 50 Gramm Schaft vollkommen anders anfühlt als ein 3er Holz mit 43 Inch Schaftlänge und einem 65 Gramm Schaft oder gar ein 7er Eisen mit einem 85 Gramm Schaft in 37,5 Inch – egal, wie genau das Schwunggewicht aufeinander abgestimmt ist.

Aus  genau  diesem  Grund  verwendet  auch  kein  routinierter Clubfitter heute das Schwunggewicht des Schlägers als erstes Kriterium für die richtige Schlägerwahl. In  meinen  Eisenfittings  versuche  ich  zuerst  das  passende Schaftgewicht  für  den  jeweiligen  Spieler  herauszufinden. Grundsätzlich gilt „Leichter = mehr Speed“ und „Schwerer = mehr Kontrolle“, aber für beides gibt es natürliche Grenzen. An einer herauszufindenden Stelle macht ein leichter Schaft nicht mehr schneller und an einer anderen Stelle wird man durch einen schwereren Schläger nicht mehr kontrollierter sondern nur mehr langsamer. Der passende Schaft liegt irgendwo dazwischen und es hängt relativ stark von dem Rhythmus und dem Release des Spielers ab, welcher Schaft dann wirklich der richtige ist. Das Schwunggewicht allerdings hängt stark von dem Gewicht des verwendeten Schaftes und der Schaftlänge ab und dient bestenfalls dafür, dass sich die Schläger statisch ähnlich anfühlen.  Wer  wirklich  möchte,  dass  sich  alle  Eisen  in  der Schwungdynamik  gleich  anfühlen,  der  muss  zu  einem  MOI Matching greifen (MOI = moment of inertia = Kraftaufwand ,um den Schläger zu bewegen), aber dazu ein anderes mal mehr.

Ein aufeinander angepasstes Schwunggewicht führt jedenfalls nicht  dazu,  dass  sich  wirklich  alle  Schläger  gleich  anfühlen, außer Sie haben eines dieser Sets, bei denen alle Schläger die gleiche Schaftlänge haben. Dann sind wir nämlich wieder bei dem Anfang der Geschichte in den 1920er Jahren und haben fast 100 Jahre der Entwicklung bei Golfschlägern hinter uns gelassen. Aber wer möchte das schon...