Bob Vokey
Deschmann Kolumne11
Bob Vokey

Bob Vokey - mein Treffen mit dem Meister

Ich kenne viele Menschen, die viel reden - ich selbst bin einer davon. Aber ich bin mir sicher, nun den besten Geschichtenerzähler im Golfgeschäft getroffen zu haben. Er selbst sagt von sich selbst, dass sein Erfolg darin begraben liegt, ein guter Zuhörer und Notizenmacher zu sein. Seine Spielwiese ist die US-PGA Tour und seine Forschungs- und Entwicklungsabteilung sind die Tour Pros dieser Welt. Seine Produkte sind die derzeit mit großem Abstand meistgespielten Wedges auf den Profitouren dieser Welt. Bob Vokey, Macher der Titleist Vokey Wedges.

Bob ist 72 Jahre jung und nach eigener Aussage ist er damit auf den „Back Nine" seines Lebens und schlägt wahrscheinlich gerade den 2. Schlag auf der 18. Wenn ein Spieler zu Bob kommt, um Wedges zu testen, dann ist der erste Weg in den Bunker. „Wenn das Spezial-Wedge aus dem Bunker nicht funktioniert, dann erfüllt es seinen Zweck nicht und hat im Bag nichts verloren", meint der Meister. Je nach der Beschaffenheit der Hindernisse in Ihrem Heimatclub und der Art und Weise Ihres Schwunges gibt es andere Kombinationen im Design der Wedges, die für Sie am besten geeignet sind.

Je steiler Sie zum Ball kommen, je weicher Ihr Bunkersand ist, je mehr Sand in Ihren Bunkern ist, je dichter Ihr Rough ist und je weicher Ihre Fairways sind, desto mehr effektiven Bounce sollte Ihr Wedge haben. Bounce ist der Winkel in dem die Bodenplatte bei einem Golfschläger nach unten absteht. Es ist Ihnen bestimmt schon einmal aufgefallen, dass Ihr Sand-Wedge nicht mit der Führungskante auf dem Boden aufliegt sondern, dass der hintere Teil des Schlägers zuerst auf dem Boden aufsetzt. Dieses Designmerkmal hilft, damit sich der Schläger nicht so stark in den Boden eingräbt. Typischerweise bewegen wir uns in Zentraleuropa auf Plätzen mit gutem bis sehr gutem Pflegezustand. Viele Anlagen haben Sprinkleranlagen am Fairway und achten besonders auf die Pflege der Bunker. Schon alleine deshalb sollte der Großteil der Spieler Wedges mit sehr niedrigem Bounce in unseren Gefilden überhaupt nicht verwenden.

„Bounce ist Dein Freund" erklärt Bob jedem, der daran interessiert ist. Bei Schlägern mit viel Loft, also auf jeden Fall bei dem Sand- und Lob-Wedge, hat man als Spieler durch ein besonderes Cavity Back Design für viel Fehlerverzeihung keinen Vorteil mehr. Bei hohen Lofts (und damit wenig Vorwärtsbewegung des Balles) ist es vor allem wichtig, genug Masse hinter dem Ball zu haben. Das Bodenplattendesign nimmt hier den größten Einfluss auf die Spielbarkeit des Wedges. Je mehr Bounce der Schläger hat, desto toleranter wird der Schläger gegenüber leichten Fehlschlägen. Mit wenig Bounce würde sich das Wedge bei einem leicht fetten Treffer sofort in den Boden eingraben und den Ball bestenfalls ein paar Meter weit hoppeln lassen. Kann der Schläger aber auf der abfallenden Bodenplatte entlang gleiten, so wird derselbe Fehlschlag zu einem tadellosen Schuss. Liegt der Ball im Bunker, wirkt der Bounce des Wedges wieder als Hilfsmittel. Je mehr Bounce der Schläger hat, desto besser schwimmt der Schläger im Sand auf und bleibt nicht im Sand stecken. Den Schläger aufzumachen, also die Schlagfläche nach rechts vom Ziel zeigen zu lassen (Linkshänder dürfen hier wie gewohnt umdenken), verstärkt den Effekt noch zusätzlich. Das einzige Argument, das tatsächlich für weniger Bounce spricht, ist die Tatsache, dass ein ganz bestimmter Schlag, nämlich ein hoher Lob von besonders hartem Untergrund (also der ohnehin riskanteste Schlag im ganzen Spiel) mit viel Bounce nicht möglich ist, weil die Führungskante des Wedges dann zu stark vom Boden abhebt. All jene Spieler, die sich regelmäßig mit diesem Schlag konfrontiert sehen, und ihn auch beherrschen, sollten sich also möglicherweise ein Lob-Wedge mit nicht allzu viel Bounce ins Bag stecken. Alle anderen Spieler sollten diesen Schlag am besten überhaupt vermeiden und in derselben Situation versuchen, eine andere Lösung zu finden.

Wenn Bob über seine Designs spricht, kommt er ins Schwärmen. Zu jedem seiner Wedges kann er eine Geschichte erzählen, warum es genau so aussieht wie es aussieht. Steve Stricker, einer der besten Wedge Spieler der Welt, ist in der aktuellen Produktlinie Titleist Vokey SM4 durch die Wedges mit S-Grind vertreten. Er bevorzugt etwas mehr Gewicht an der Spitze des Wedges, deshalb ist dieser Teil nicht so stark abgeschliffen wie bei dem L-Grind (L für Lefty - Phil Mickelson), der noch aus der Zeit kommt, als Phil Titleist Vertragsspieler war. Hinter dem T-Grind verbirgt sich Tom Pernice, seine Präferenzen findet man in den beiden extrem Lob Optionen mit 62° bzw. 64°. Tom bevorzugt eine etwas breitere Sohle mit stark und breit abgeschliffenem hinterem Bereich. Der einzige Grind hinter dem sich kein Spielername versteckt ist der M-Grind. Bob erzählt dazu gerne die Geschichte, dass der Grind aufgrund der mühsamen Schleifprozedur im Tourbus der MF-Grind genannt wurde. Die politisch korrekte Auflösung, die Bob mit einem Augenzwinkern garniert, ist dann „My Favorite". Der Full Grind kommt hauptsächlich bei hohen Bounce Optionen und niedrigen Lofts zum Einsatz und soll die größtmögliche Hilfe der Bodenplatte garantieren.

Falls Sie mit der Performance Ihrer Wedges unzufrieden sind oder Sie nicht die passenden Distanzen mit ihren Wedges abdecken und Probleme mit der Wiederholbarkeit ihrer Schläge haben, lassen Sie sich beim Clubfitter Ihres Vertrauens bezüglich der richtigen Zusammenstellung ihrer Wedges beraten!