Brauchen alle großen Menschen längere und alle kleinen Menschen kürzere Schläger?
Deschmann Kolumne6

Es gibt unter den Golfern die ich kenne eindeutig die Meinung, dass die Schaftlänge der gespielten Schläger in einem direkten Verhältnis zur Körpergröße stehen müsse. Klingt ja auch nachvollziehbar, je größer der Spieler, desto länger die Schläger und vice versa. Allerdings liegt man als Clubfitter gelegentlich ziemlich falsch, wenn man die Schaftlänge über die Körpergröße bestimmt. Der Grund dafür ist, dass es viele große Menschen mit besonders langen Armen gibt, oder kleine Menschen mit kurzen Armen. Die Kombination aus Körpergröße und Armlänge bestimmt welche Schaftlänge wir brauchen werden, damit wir uns im Setup wohl fühlen. Aber das alleine bildet noch nicht die Entscheidungsgrundlage für die passende Schaftlänge sondern ist nur ein Startpunkt.

Der alte Spruch für Clubfitter lautet: „Je länger der Schaft, desto schwieriger ist der Schläger zu kontrollieren und desto schwieriger wird es den Ball konstant in der Mitte der Schlagfläche zu treffen.“ Wenn ich mich um die Schaftlänge kümmere, dann versuche ich die beste Länge für Sie zu finden, damit Sie den Ball möglichst wiederholbar in der Mitte der Schlagfläche treffen können und genau darin liegt die Wurzel des Problems. Die Schäfte müssen lang genug sein, damit Sie entspannt im Setup stehen können und sich nicht übermäßig zusammenkauern müssen, dürfen aber nicht so lang sein, dass Ihre Trefferqualität darunter leidet (und das geht überraschend schnell – ein Zentimeter zu viel und schon klappt so gut wie nichts mehr). Selbst für einen erfahrenen Clubfitter ist dieser Balance Akt immer wieder eine Herausforderung.

Am Anfang eines Eisen Fittings steht praktisch immer ein statisches Fitting. Das Vermessen Ihrer Körpergröße und des Handgelenk-Boden-Abstands bietet einen wunderbaren Startpunkt für die richtigen Spezifikationen, aber es fließen noch viele andere Dinge in das Bestimmen der richtigen Schaftlänge mit ein. Mit einem rudimentär angepassten Schläger schaue ich mir einige weitere Faktoren ganz besonders genau an. Erstens Ihre Schwungrichtung im Treffmoment, zweitens wie kraftvoll ihre Richtungsänderung und ihr Abschwung ist, drittens wie spät Sie ihren Handgelenkswinkel lösen und viertens versuche ich Ihre durchschnittlichen athletischen Möglichkeiten so gut wie möglich abzuschätzen.

Über den Daumen kann ich sagen, dass jemand der stark von außen nach innen schwingt, ein eher hektisches Tempo und einen aggressiven Schwung zum Ball hat, eher früh den Handgelenkswinkel löst oder insgesamt athletisch nicht übermäßig koordiniert ist von mir sicher keinen längeren Schaft empfohlen bekommt, als es seine oder ihre statischen Maße vorschlagen. Wenn jedoch ein Spieler eher leicht von innen nach außen schwingt, einen langsamen und rhythmischen Übergang in den Abschwung, einen eher späten Release oder sehr gute athletische Möglichkeiten hat, dann sind das Indikatoren für mich, dass der Spieler eventuell auch einen etwas längeren Schläger noch gut kontrollieren könnte.

Dabei haben wir nun natürlich viele andere wichtige Spezifikationen wie Gewicht, Flex, Biegeprofil vollkommen außer Acht gelassen (und das war nur der Schaft), aber darüber lesen Sie dann in einer der folgenden Kolumnen. Oder Sie kommen bei mir in der GolfRange Schwechat vorbei, dann kann ich mich um alle Spezifikationen kümmern, damit Sie die besten Schläger bekommen die Sie jemals hatten.