Grosse Neuerungen in der Golfschläger Technologie gibt es selten
Deschmann Kolumne2


Ich bin vor 36 Jahren auf Golf gestoßen worden … damals war mein Eigenantrieb altersbedingt noch eher gering ausgeprägt. Meine aktiven Erinnerungen an die Entwicklung der Schläger gehen daher nur in die 80er Jahre zurück. Aber da sich bei den klassischen Schlägern (Blades mit Stahlschäften) seither nur sehr wenig geändert hat, tatsächlich ließe sich mein erstes Erwachsenen-Set, Blades mit einem schweren Stahlschaft kaum von einem aktuellen Modell unterscheiden, möchte ich hiermit einmal die großen technologischen Neuerungen bei den fehlerverzeihenden Schlägern näher betrachten.

Moderne Eisen der frühen 80er Jahre hatten typischerweise einen für heutige Verhältnisse schweren Stahlschaft (Dynamic Gold) und waren ein einziger, massiver Block Stahl, ohne nennenswerte Gewichtsverteilung. Graphitschäfte waren eine absolute Rarität und die Qualität derer war noch sehr verbesserungswürdig. Mitte der 80er Jahre brachte Ping die Eye 2 Eisen auf den Markt. Basierend auf der Idee, mehr Gewicht an den Rand des Schlägers zu bringen, die Karsten Solheim schon in seinen Puttern erfolgreich eingesetzt hatte, war der Eye 2 ein revolutionärer Schläger, der den Golfmarkt damals auf den Kopf stellte. Eine Schlägermarke nach der anderen hat diese großartige Idee übernommen und immer mehr neue Modelle mit „Perimeter Weighting“ kamen auf den Markt.

Spätestens Anfang bzw. Mitte der 90er gab es keinen renommierten Schlägerhersteller mehr, der nicht mindestens ein Modell mit deutlichem „Perimeter Weighting“ im Programm hatte. Der nächste große Sprung war die originale Big Bertha Eisenserie von Callaway. Das Progressive Offset Design, welches wir schon von den Ping Eye 2 kannten, wurde hier weiterverwendet, aber erstmals war die Schlagfläche bis an den allerletzten Rand sehr dünn. 360° Undercut nennt Callaway diese Technologie. Schon wie beim Eye 2 dauerte es nur ein paar Jahre, bis so gut wie jeder Hersteller diesen großen technologischen
Sprung nachgemacht hat. Bis heute gibt es kaum einen Schläger, der sich Fehlerverzeihung auf die Fahnen schreibt, der nicht in irgendeiner Art und Weise diese beiden Technologien in sich vereint. Und nun haben wir den nächsten großen Sprung in der Eisen-Technologie hinter uns. Slots, die es erlauben, dass sich Teile der Schlagfläche, besonders die Ränder der effektiven Trefferzone, besser durchbiegen können und damit eine bessere Kraftübertragung bei schlechteren Treffern erlauben. Vor zwei Jahren ist mit der Rocketbladez Serie von Taylormade das erste Eisen dieser neuen Generation auf dem Markt  erschienen.

Es ist heute kaum noch möglich Schläger zu produzieren, die bessere, gute Schläge produzieren, aber wie wir Golfer alle wissen, lebt unser Score nicht von den guten Schlägen, sondern von der Qualität unserer schlechten Schläge … von den Guten machen wir nämlich tendenziell zu wenige. Wenn sich also die Ergebnisse bei unseren schlechten Schlägen verbessern, dann werden wir auch zu besseren Golfern! Ein Slot hinter der Führungskante des Schlägers (egal ob Eisen, Hybrid oder Fairwayholz) erlaubt, dass sich die Vorderkante selbst ein wenig durchbiegt und bietet damit, je nachdem wie stark der Effekt ausgeprägt ist, mehr Trampolineffekt.

Bei Fairwayhölzern und Hybrids mit dieser Technologie ist das Ziel meist, möglichst nahe an den maximal erlaubten Trampolineffekt heran zu kommen und mehr Ballgeschwindigkeit im unteren Bereich der Schlagfläche zu produzieren. Bei Eisen ist genau das – mehr Ballgeschwindigkeit bei leicht dünnen Treffern - das eigentliche Ziel. Für Schläge mit den Eisen möchte ich als Spieler ja gar nicht unbedingt so weit wie möglich schlagen, sondern so wiederholbar wie möglich die gleiche Distanz produzieren. Wenn ich weiter schlagen möchte, dann nehme ich einfach den nächst längeren Schläger. Damals in den 80ern hatte fast jeder zweite Spieler höheren Handicaps die Ping Eye 2 Eisen im Bag und das zu Recht. Mitte der 90er war man ohne Zweifel nicht am technisch aktuellen Stand, wenn man nicht mit dem Original Big
Bertha Eisen oder dann mit der folgenden X-12 Serie unterwegs war. Und heute verpasst man etwas, wenn man Eisen, Hybrids oder Fairwayhölzer ohne Slot spielt!