Wenn Du den Ball sliced nimm einen dünneren Griff - wenn Du den Ball hookst nimm einen dickeren Griff
Deschmann Kolumne14
Wenn Du den Ball sliced nimm einen dünneren Griff - wenn Du den Ball hookst nimm einen dickeren Griff

Wenn Du den Ball sliced, nimm einen dünneren Griff – wenn Du den Ball hookst, nimm einen dickeren Griff

Nun, dieser Mythos hat sich schon sehr lange auf dem Golfmarkt gehalten. So lange einige Firmen, die richtigerweise davon ausgehen, dass ihre Zielgruppe den Ball sliced, extradünne Griffe auf ihre Schläger montiert um dem entgegenzuwirken. Allerdings stimmt dieser Mythos leider nicht, denn jeder Golfer hat seine eigene Technik und seine eigene Körpercharakteristik und falls dieser Mythos tatsächlich beobachtet wird, dann hat es meist trotzdem nichts mit der Griffstärke zu tun, aber dazu ein wenig später.

Falls es einen Teil des Golfschlägers gibt, der am öftesten stiefmütterlich behandelt wird, dann ist es wohl der Griff. Die meisten Golfer suchen sich ihre Griffe (wenn überhaupt) nur so auf die schnelle aus, oder nehmen sie als gegeben hin und reinigen sie selten bis nie. Oft sehe ich Griffe, die bereits brüchig oder vollkommen glatt sind. Solche Griffe verwende ich bestenfalls noch um in einer Ecke Spinnweben zu entfernen. Dabei spielt der Griff eine sehr wichtige Rolle, zumal es die einzige Verbindung zwischen Spieler und Schläger ist. Und trotzdem kommen die meisten Standardschläger mit einem Herren oder einem Damen Standardmodell aus.

Ein namhafter Hersteller von Golfschlägern hat vor nicht allzu langer Zeit ein Spieler Experiment durchgeführt, in dem alle Teilnehmer gebeten wurden, mit drei baugleichen Schlägern jeweils fünf Bälle zu schlagen. Der einzige Unterschied der drei Schläger war, dass einer mit einem neuen Griff ausgestattet war, der zweite mit einem sauberen aber gebrauchten Griff und der dritte mit einem nicht nur gebrauchten, sondern auch schmutzigen Griff ausgestattet war. Letzterer war nicht nur seit Jahren nicht gereinigt worden, sondern wurde auch noch mit ein wenig Sonnencreme versehen, wie man sie typischerweise auf den Händen hat, wenn man sich vor der Runde noch schnell eincremt. Die Ergebnisse waren verblüffend. Mit dem neuen Griff haben die Golfer den Ball durchschnittlich rund sechs Meter weiter geschlagen als mit dem gebrauchten und rund zwölf Meter weiter als mit dem verschmutzten. Den Hauptgrund für diese großen Unterschiede macht wohl die Zentrifugalkraft aus.

Die Zentrifugalkraft ist die Form von Energie, die versucht uns den Schläger während des Schwungs aus den Händen zu ziehen. Wer das besonders hautnah erleben möchte, nimmt ein Stück Schnur, bindet ein wenig Gewicht am Ende fest und schwingt das ganze im Kreis. Je schneller man schwingt, desto stärker zieht das Objekt am Ende der Schnur nach außen. Ein Schlägerkopf am Ende eines Schafts verhält sich diesbezüglich nicht anders als das Gewicht am Ende der Schnur. Für einen Golfer mit der Driver-Schlägerkopfgeschwindigkeit von Tiger Woods (über 200 km/h) macht das über 40 kg und für einen durchschnittlichen Herren mit rund 140 km/h immer noch ca. 25 kg die versuchen, einem den Schläger aus der Hand zu ziehen. Das Einzige was da nun dagegen arbeitet ist, wie gut Sie Ihren Griff im Griff haben. Wenn der also abgenutzt, schmutzig und in der falschen Größe daherkommt, ist die einzige Chance den Schläger nicht aus den Händen zu verlieren den Griff krampfhaft festzuhalten und das wiederum führt zu verkrampften Unterarmen und jegliche Chance auf einen fließenden, lockeren Schwung ist dahin. Daher kommt also der Mythos, dass die Griffgröße Ihre Performance beeinflusst. Wenn der Griff die falsche Stärke hat werden Sie mehr oder weniger verkrampfen und schon färbt das auf ihren Schwung ab.

Was können Sie also tun? Wie sollten Sie die richtige Griffgröße und das richtige Produkt herausfinden? Es läuft alles darauf hinaus, dass das was sich am komfortabelsten anfühlt das Richtige für Sie ist. Es gibt eine Menge verschiedener Messsysteme, die Ihnen die richtige Größe aufgrund Ihrer Handlänge, Fingerlänge, Handschuhgröße oder ähnlichem vorschlagen. Keines dieser Systeme ist die endgültige Wahrheit, schon alleine deshalb, weil das beste Messsystem wertlos ist, wenn sich die daraus resultierende Griffstärke für Sie einfach nicht richtig anfühlt. Wenn Sie es also noch nicht erraten haben, ich empfehle Ihnen auch für Ihre Griffe ein Custom Fitting zu machen. Aber keine Angst, das ist keine große Sache. Nehmen Sie Ihre Schläger und bringen Sie diese zu einer guten Schlägerwerkstatt Ihrer Wahl. Dort werden Sie eine gute Auswahl an verschiedenen Griffen vorfinden. Idealerweise sind diese Griffe auch schon auf abgeschnittenen Schaft-Enden montiert. Das ist einer der Punkte an denen Sie erkennen können, dass man es dort mit Ihren Griffen einigermaßen ernst nimmt. Ihr erster Schritt … nehmen Sie die Griffe in die Hand. Fühlen Sie die unterschiedlichen Oberflächen und machen Sie sich ein Bild davon, welche Oberfläche sich für Sie am besten anfühlt. Normalerweise bekommen Sie in einem gut ausgestatteten Shop nun auch noch ein Modell in verschiedenen Größen montiert, damit Sie sich genau die richtige Größe aussuchen können. Beachten Sie nun die Struktur nicht mehr, sondern konzentrieren Sie sich nur mehr auf die passende Größe.

Dann bleibt ihnen eigentlich nur mehr zu sagen: „Ich hätte bitte gerne diesen Griff in dieser Größe auf allen meinen Schlägern“. Im besten Fall bekommen Sie Ihre Schläger innerhalb kürzester Zeit wieder
retour und Sie sollten allen ihren Freunden erzählen wie gut das Service dort war. Bekommen Sie allerdings nur Blicke zurück wie von einem Reh im Scheinwerferlicht, dann, ja dann sind sie auf sich alleine gestellt und können entweder gehen oder dem Verkäufer erklären … JA, Griffe gibt es wirklich in unterschiedlichen Designs, Modellen, Texturen, Größen …