Wenn ich jetzt noch warte, dann bekomme ich doch in 6 Monaten noch was Besseres!
Deschmann Kolumne5
Wenn ich jetzt noch warte, dann bekomme ich doch in 6 Monaten noch was Besseres!

In dieser Aussage steckt ein schwerwiegendes Problem, denn nach dieser Logik darf man nie neue Schläger kaufen, denn in 6 Monaten hat sich die Situation nicht geändert, mit dem nächsten Herbst-Zyklus vieler Hersteller kommt dann nämlich schon wieder etwas Neues und man steht wieder vor der selben Situation. Der einzig richtige Zeitpunkt, sich um neue Schläger zu kümmern ist also jetzt oder nie – egal von welchem „jetzt“ wir sprechen.

Golf ist in Österreich kein typischer Wintersport, deshalb wirken Produktpräsentationen nahe dem Ende unserer Spiel-Saison für uns oft ein wenig eigenartig. Weltweit wird aber natürlich das ganze Jahr über gespielt und selbst der durchschnittliche österreichische Golfer fährt im Winter eine Woche in den Süden und wickelt dort dann so viele Runden ab wie normalerweise in vier Wochen Hochsaison zu Hause. Ich kann gut verstehen, warum so viele Hersteller von den traditionellen Produkteinführungen auf der PGA Show in Orlando Ende Jänner abweichen. In der nachweihnachtlichen Konsum-Depression ist selbst das beste neue Produkt kaum an den Spieler zu bringen und natürlich möchten die TaylorMades und Callaways dieser Welt auch ein Stück vom weihnachtlichen Kuchen abbekommen. Darüber hinaus ist es mit Rapid Prototyping und anderen Technologien offensichtlich einfacher und schneller möglich, neue Produkte zu entwickeln. Veränderte und verbesserte Designs können sehr problemlos in die Produktion übernommen werden und scheinbar mangelt es den Entwicklern nicht an neuen Ideen, um Golfschläger noch weiter zu verbessern.

Für mich ist es dabei unterhaltsam zu sehen, dass sich die Markting-Abteilungen über alle Hersteller hinweg offensichtlich einig sind, was die aktuellen Buzz-Words sein müssen. Für jeden Driver wird damit geworben dass er „High Launch – Low Spin“ produziert, jeder Ball ist „Soft & Long“, jedes Fairwayholz hat plötzlich einen „hohen Trampolineffekt“ und alle Eisen produzieren einen Ballflug, der unglaublich lang ist und trotzdem schnell stoppt. Die Entwicklungsabteilungen selbst bringen aber trotzdem sehr unterschiedliche Wege auf den Markt, um selbige Ziele zu erreichen. Ein Driver soll „High Launch – Low Spin“ dadurch produzieren, dass sein Schwerpunkt besonders weit hinten platziert ist, der nächste verfolgt dasselbe Ziel dadurch den Schwerpunkt besonders weit nach vorne und unten zu bringen. Ein Ball soll sich besonders weich anfühlen, weil er ein extrem weiches Schalen-Material besitzt und einen harten Kern hat, der nächste soll sich besonders weich anfühlen, weil er einen weichen Kern hat und eine harte Schale – Ein Hersteller hat mir letztens erzählt, dass wenn die Bälle eine weiche Schale und einen weichen Kern hätten, diese bei höheren Schlägerkopfgeschwindigkeiten einfach zerplatzen würden (man erinnere sich an den Weißwurst-Aufprall aus der Renault Werbung). Und bis zu einem gewissen Grad behalten dabei auch noch alle Recht, nur nicht für jeden Spieler. Es bleibt also alles beim Alten.

Wer neues Material möchte, kommt nicht darum herum, es auszuprobieren und es sich anpassen zu lassen, denn wie bisher gilt: „Ihre Schläger funktionieren nur so gut, wie Sie zu Ihrem Schwung passen. Wenn Sie mit unpassendem Material unterwegs sind, können Sie nicht gerade aus schlagen, wenn Sie alles richtig machen!“ Die aktuellsten Modelle wie zum Beispiel der TaylorMade SLDR oder der Callaway Optiforce, die Titleist 712U Long Iron Replacements oder die neuen MP-4 Blades von Mizuno stehen schon für Sie bereit. Und falls der eine oder andere Leser auf die nächste Ausgabe meines Podcasts wartet – zu finden unter www.golfcast.at – ich verspreche es geht demnächst weiter.