Von meinen Kärntner Freunden und über Widerstände des Mannes gegen seine Domestizierung
Karntner Max Wolwitsch II

Fahre ich so – es war die Zeit der Fliederblüte – auf einen Golfplatz, um bei mildem Sonnenschein eine entspannte Runde zu drehen. Nachdem ich noch ein wenig gechippt und geputtet hatte, wartete ich beim ersten Tee auf meine Zeit, um abzuschlagen. Bekanntlich gibt es keine zweite Chance für den ersten Eindruck: Und der Anblick, der sich mir bot, ließ mich schmunzeln, ich konnte nicht anders als weithin sichtbar schmunzeln. Da kamen zwei Männer mittleren Alters, die gleich, korrekt: auffallend ähnlich gekleidet waren, auf mich zu – spiele ich mit denen? Jeder der beiden trägt eine großkarierte Knickerbocker, der eine schwarz-gelb-weiß mit dünnen roten Streifen, des anderen Karos sind wie das Wimbledon Logo, violett und grün, elegant irgendwie. Ersterer trägt rote Wollstutzen, zweiterer blaue. Auf beider Kopf sitzt so etwas wie eine Schiebermütze (wobei ein Schieber nichts Anrüchiges ist, so bezeichnete man einen Vorarbeiter). Bei dem einen ist sie aus dem gleichen Flanell wie seine Knickerbocker. Ja, und bei dem anderen auch aus dem gleichen wie bei seiner Schlumperhose.
Die zwei Herren sprachen einen südländischen Dialekt: Sie kommen aus Klagenfurt. – Sind sie Brüder, gar Zwillingsbrüder? Nein, sie seien nur Freunde, werden sie mir später auf einer überaus angenehmen Runde erzählen. Ich war mit meinem Schmunzeln nicht alleine, alle Anwesenden rund um das Übungsgrün und den ersten Abschlag schmunzelten oder schauten ungläubig. – Woran nur, erinnern mich diese zwei Herren in ihren sehr originellen Outfits? Ich weiß es nicht! – Nach dem Abschlag befeuerten die beiden in einer weiteren Parallelaktion Zigarren. Jetzt, wo ich sie mir im Profil ansehe, die vorkragende Schiebermütze, die lange, dicke Zigarre, die gerade aus steht als gäbe es keine Schwerkraft, die karierten Knickerbocker – Nick Knatterton. Mittlerweile habe ich mich schlau gemacht, der gezeichnete Nick rauchte Pfeife, nicht Zigarre. Einerlei: ich hatte eine wahrlich amüsante Runde mit meinen Kärntner Freunden. Sie spielten das Spiel mit gehörigem spirit, wie man aus ihrem Auftreten vermuten mag, fehlte ihnen vollkommen ein biestiger Ernst und sie spielten sehr ansprechendes Golf. Mir ist eine Golfkolumne einer Schweizer Edelfeder vage erinnerlich: Freitags auf einem Golfplatz in einer althergebrachten Männerrunde, das sei die Zeit und der Ort, das sei der letzte Hort für Männer in unserer überregulierten Welt, voller schaler Kompromisse und der allgegenwärtigen political correctness. Ein Hort, wo Männer noch Männer sein könnten und sich überdies wie nirgendwo sonst in ihrer Kleidung der Lächerlichkeit preisgäben. Denn nirgendwo sonst liefen erwachsene – und der Schweizer schreibt über gut situierte, gesellschaftlich etablierte – Männer in giftgrünen Hosen und quietschrosa Leiberln herum. Nirgendwo sonst griffen sie vormittags in der Öffentlichkeit zum Flachmann. Aus den Häusern hätte man sie hinaus geekelt mit ihren Zigarren. Nur hier noch könnten sie über, wenn auch abgestandene, Blondinenwitze, schlüpfrige, ja, über ordinäre Witze lachen, aus vollem Herzen, lachen. – Du, Gottfried, kennst du den: Eine Golferin kommt schon eine Viertelstunde, nachdem sie auf die Runde ging, ins Clubhaus zurück. Der Pro ist überrascht: „Wieso sind Sie schon zurück?“ Sie: „Ich bin von einer Biene gestochen worden.“ Er: „Oh, wirklich? Wo ist das passiert?“ Sie: „Zwischen dem ersten und dem zweiten Loch.“ Darauf der Pro: „Mein Gott, habe ich Ihnen nicht immer gesagt, Ihr Stand ist zu breit!“

Der Kolumnist resümierte – auch selbstkritisch, er sieht sich schließlich selbst dieser Sorte Mann angehörig –, dass „gestrige Machotypen“ auf dem Golfplatz, dem letzten „Naturschutzpark der Zeitgeistverweigerung“, herumliefen, zumindest wenn sie in einer reinen Männerrunde aufträten. Doch dann, am Samstag, kämen er und die anderen Herren seiner Runde mit ihren Frauen in den Club. Jetzt gäben sie sich zivilisiert, zeigten Anstand. Vielleicht veranstalteten sie zunächst mit ihren Enkeln diese animierende Wettkämpfe am Übungsgrün, während die Damen noch einen Tee einnehmen würden. Jetzt sei Normalzeit, wo sich der domestizierte Mann eine dunkle Hose angezogen habe, Mineralwasser schlürfe und während er mit seiner Frau und einem weiteren Paar übers Fairway schlendere, sich distinguiert über die letzte Theaterpremiere unterhalte, sich keinesfalls einen schiefen Witz erlaube (erlauben dürfe!).