Golf & Sex
Von Ernst Porkristl Redakteur ExtraGolf & Reisen

Verkäufer wissen: Sex sells. Sex funktioniert als Teaser. An- und Neugierig machen, zu reizen – to tease – ist althergebracht, heute allgegenwärtig. Über Aufmachung will ich reden und werde auf dem heißen Blechdach des Geschlechterzwistes Stellung nehmen zu Prüderie und Sexi ness. Grund sind Tendenzen zu verstörender Tabulosigkeit und andererseits zu rückwärtsgewandter Prüderie. Anlass ist die Meldung, dass Vicki Goetze-Ackerman, Präsidentin der LPGA, der großen nordamerikanischen Frauen Golf Tour, dass also Goetze-Ackerman ein Mail an die Spielerinnen der LPGA schrieb, worin sie restriktivere, züchtigere Bekleidungsvorschriften festlegte. Verboten sind unter anderem: tiefe Dekolletees, wobei die Tiefe nicht definiert, sozusagen nicht vermessen wurde; den Blick freigebende – revealing – Röcke, nämlich auf das wiewohl mit einer Short verhüllte Gesäß. Was ist die Botschaft? Athletische Kleidung passt nicht zum Leistungssport Golf? Profigolferinnen, die sich nicht konservativ, sondern sportlich kleiden, seien promiskuitive Luder? Zwei Probiersteine als meine Messlatte:
1) Synchronschwimmen ist eine Show. Dabei tauchen, zum Beispiel, acht Frauen einmal mit ihrem Kopf, grinsend, ähnlich frühen Opfern der Schönheitschirurgie, dann wieder mit ihren Beinen aus dem Wasser – synchron. Anbei: Ich glaube Berichten, wonach die sportliche Leistung der Synchronschwimmerinnen enorm ist. Doch welchen Ausdruck findet diese Leistung? Schwimmerinnen hieven allerhand Körperteile über die Wasseroberfläche, eben auch ihre Beine, je höher, je besser, sie strecken sie, sie spreizen sie. Die Restfrau bleibt unsichtbar, weil unter Wasser. Wozu dieser Exhibitionismus im Sport? Hier, so meine ich, waltet Obszönes. Warum eigentlich heben vernachlässigbar wenige Männer kopfunter ihre gespreizten Beine aus dem Wasser?
2) Frauen- (und Männer-) Beachvolleyball ist große Show, hat Copacabana-Flair. Vor einigen Wochen schrien sich Zuschauer und -innen auf der Wiener Donauinsel die Stimmbänder wund. Wohl wird Frau manchen Mann schelten, dass ihm das Spiel der Beachvolleyballerinnen an sich nicht so wichtig sei, dass er sich angesichts sportlicher, flachbauchiger, mit Bikinihosen bekleideter Damen, die sich im Sand wälzen, ergötze. – Das Spiel ist schnell, spannend und Badekleidung ist stimmig für einen Sport, der seine Heimat an der Beach hat. Übrigens: Hier ging man bei umgekehrter Ausgangs lage mit ähnlicher Intention vor: Die Bekleidungsvorschrift, dass die Bikinihose seitlich nicht breiter als sieben Zentimeter sein darf, wurde gestrichen. Ich habe noch nie, weder auf einem Golfplatz noch bei einer Übertragung, eine Golferin in anstößiger Kleidung gesehen; selbst eingedenk der Tradition unseres Spiels, ich habe noch keine Golferin in unpassender Kleidung gesehen. Mancher fordert, dass Profi golf attraktiver werden soll. Beispielsweise Bernd Wiesberger sagte zur Presse: „Der Sport muss mehr Show und greifbarer werden.“ Wiesberger dachte dabei vermutlich nicht an revealing skirts and skorts. Jedenfalls die neue Kleiderordnung und die diese motivierende Geisteshaltung wird das Zuschauerinteresse nicht steigern. Ja, Frauengolf soll durch Persönlichkeiten, Spannung und exzellente Performance attraktiver werden. Dabei können Frauen in adretten Outfits – modern, athletisch, gar sexy, – das Zuschauerinteresse nur befördern. – Es ist das Thema: innere oder wahre Werte versus ansprechendes Äußeres. Ich wollte immer schon beides. Alte Zöpfe, lange Röcke gehören nicht wieder hervorgekramt, sondern abgeschnitten. Ich freue mich schon auf meine nächste Flightpartnerin, vielleicht kann sie mir mit ihrer Persönlichkeit, ihrem Spiel sowie ihrem Dekolletee den Kopf verdrehen, sodass mein Kontrollzwang zerbröselt, meine Selbstblockade sich verflüchtigt, ich somit wunderbar locker spielen werde. Liebe, selbstbewusste Frauen (und Männer), tragt, was euch gefällt! Bewahren wir unsere Freiheiten!