Grünes Gras

Wir mögen Grün, es beglückt unser Auge, hebt unsere Psyche. Ein Psalm in der Bibel besingt eine grüne Aue, einen Ort, der an den Garten Eden gemahnt. Einst wurden wir aus dem Paradies geworfen, zurzeit steht die Sonne hoch über unseren gebauten Paradiesen und sengt braune Flecke in etliche Spielwiesen. Freilich ist es möglich, diese zu beregnen, doch manche Clubs in manchen Regionen stoßen in Trocken- und Hitzeperioden an ihre Grenzen. Sie können nicht länger, koste es, was es wolle, Spielbahnen bewässern; ich meine, wir, die Golfer, sollten von ihnen nicht zu jeder Zeit sattgrüne Abschläge, Fairways und Grüns erwarten. Warum? Um der Erhaltung von Wasserreserven willen sowie um proaktiv Vorurteilen zu begegnen und letztlich tragen wir als Mitglieder die Kosten. Manch einer hängt einem falschen, besser: ungünstigen Ideal nach. Denn gelbes, ockerfarbenes, bräunliches Gras mag man als ästhetische Einbuße empfinden, fürs Golfen kann es allemal und sogar bestens geeignet sein. Golf kommt bekanntlich von rauen, sandigen Küstenstrichen her, wo trockenes Gras nichts Ungewöhnliches ist. Puttflächen, also Grüns, sind trotz Gelb- und Braunschattierungen pfeilschnell und spurtreu, oft schneller und spurtreuer als jene mit fettem, grünem Rasen. Die Ausnahme, zudem der Inbegriff von des Golfers Paradies mit grünsten Grüns und diese allerschnellst: Augusta. Frühling in Georgia, die Magnolia Lane blüht, ein Südstaatenepos, die TV-Übertragung verführt mit Bildern üppiger, gleichzeitig gezähmter Vegetation, in unübertroffener Harmonie und Schönheit. Ein lieblicher Ort – der locus amoenus schlechthin. Bleibt, zu erwähnen: Ihr und mein Golfclub hat nicht nur 300 Mitglieder und ist dabei so wohlbestallt, dass Rasenheizung, unterirdische Bewässerung, lange Platzsperren, eine Heerschar von Greenkeepern, die sich schier um jeden einzelnen Grashalm kümmern, Realität ist. Augusta ist für uns kein brauchbarer Maßstab. – Österreich ist wasserreich, auch diesbezüglich gesegnet. Das Wasserproblem anderer Weltgegenden stellen wir heute hintan. Es gibt jedoch auch bei uns regenarme Regionen, z. B. Ostösterreich. Das Klima ändert sich, wir erleben immer trockenere, heißere Sommer. Schon im Frühjahr fiel im üblicherweise feuchten, dunkelgrünen Waldviertel kaum, in Oberösterreich und im Flachgau wenig Regen, selbst von Beschränkungen des Wasserverbrauchs im Tiroler Unterland stand zu lesen. Ein Hintergrundgespräch mit einem Betreiber eines Platzes im östlichen Flachland erhellte, wieviel er, obwohl er idealen Unterbau geschaffen und tiefwurzelnde Grassorten gesät hat, für künstliche Bewässerung aufwenden muss. Mit gestandenen Männerwaden-dicken Rohren wird aus mehreren Brunnen Grundwasser – 45.000.000 bis 60.000.000 Liter im Jahr – angezapft, doch dieses ist endlich. Das Pumpen von Wasser verbraucht erheblich Energie, Energie kostet. Aufwendungen von geschätzten 70 Euro pro Mitglied und Jahr tragen wir, die Spieler. Schließlich gilt es, dem Vorurteil, dass auf Golfplätzen Wasser verschwendet werde, entgegenzuwirken und vorzubeugen, denn ein Gerangel um Wasser wird kommen. – Ich plädiere: Nehmen wir Eigentümer, Betreiber, Präsidenten, Vorstände, Manager unserer bescheideneren lieblichen Orte aus der Pflicht, in Zeiten gravierender Trockenheit, vom Tee bis zum Loch sattgrünen Rasen bereit zu stellen. Nehmen wir für ein paar Wochen im Jahr braune Flecke auf den Fairways hin. Freilich, besser noch wär’s, mein Bittpsalm erfüllte sich: Herr, lass nachts zarten Landregen auf unsere Spielwiesen niedergehen, auf dass wir tags in grüner Aue wandeln und Bälle schlagen können.