Meine lieben B-er Herzbuam!
Kleinode 3 2016

Es war nur eine Laune, eine Tollerei… Alles begann im Spätwinter oder Frühfrühling mit einer Nachricht auf der Homepage unseres Clubs: Wer über 30 Jahre alt sei, wer ein Handicap besser -18, wer Interesse in einer MidAm-Mannschaft zu spielen habe, der möge sich melden. HCP unter 18 – nein! Also, wenn man es mit zwei, drei Zehntel nicht so genau nähme – hmm? Interesse – ja schon; in jedem Fall, das mit dem Alter schaffe ich locker. Mein erstes Zusammentreffen mit Euch war bei einer Kennenlernrunde. Der Winter schaute noch einmal vorbei, entsprechend spielte man etwas steif und ungelenk, allerdings der Niveauunterschied zwischen Euch und mir war augenfällig, was Euch nicht zu stören sowie mein weiteres Mitmachen nicht zu hindern schien. Ihr, die B-er Herzbuam, zeigtet Euch als durchwegs nette Burschen, näher am 30 Jahre Limit als ich, anscheinend voll im Leben (Familie, Beruf) stehend, Bildung und gutes Benehmen erkennen lassend.

Um die Aufstellung für die Qualifikation zur NÖ Mannschaftsmeisterschaft MidAm Herren festzulegen, wurde ein internes Qualifikationsturnier angesetzt. Niemand war so unaufgeregt wie ich, denn, dass ich mich nicht qualifiziere, war klarer als der Teich in Atzenbrugg. Einige Herzbuam gerieten über die Aufstellung in Streit, in der Folge wies alles darauf hin, dass wir uns noch vor unserem ers ten Auf- und Antreten atomisieren. Ich verreiste. Unterwegs erfuhr ich, die Mannschaft habe die Qualifikation geschafft. Eine veritable Überraschung. Damit selbstredend: Die Mannschaft lebe fort. Soweit die Vorgeschichte und der einfache Teil.

Ende April ruft mich der Captain, der Initiator unserer Mannschaft, an, ich sei sein sechster und letzter Mann, er brauche mich, ob ich am Christi Himmelfahrt Wochenende spielen könne und wolle. Moment, Moment, mein Captain wusste offensichtlich nicht, dass ich eine Eule, ein Nachtflaneur auch -arbeiter, bin und dass ich vor 9 Uhr und ohne vier shots Kaffee noch nicht in seiner Welt angekommen bin. Jedenfalls, so scheint es, antwortete ich mit – Ja. Später: Das ist meine einmalige Chance Meisterschaft zu spielen: unser Bester justa ment jetzt in den USA, ein anderer gerade auf Seminar in Graz. Andererseits und diese Sachverhalte wurden mir erst nach und nach zugetragen beziehungsweise bewusst: Das inoffizielle, sicherlich jedoch das verbreitetste Merkmal der Teilnehmer einer MMS MidAm ist ein Single-Handicap. Ich hatte bislang nur wenige und vor allem nur freundschaftliche Lochwettspiele ausgetragen. Ich war noch nie und nirgends ein Wettkampf-Typ. Ein Vierer – wie geht das? Und meine größte Angst war: dass ich der allererste Golfer überhaupt oder zumindest bei dieser Meisterschaft bin, der nach der Zehn ins Clubhaus zurückgeht, zurückgehen muss, weil er quasi mit der Höchststrafe 10 auf 8 verloren hat. Nein, am Schwerwiegendsten war, das sich augenblicklich einstellende und überaus gewichtige Verantwortungsgefühl Euch gegenüber.

Arme Burschen (wenn Ihr auf mich zurückgreifen müsst)! Meine B-er Herzbuam, ich hab’ ja nur… Ich meine, es war nur eine Laune, eine Tollerei… Ich hab’ mir halt gedacht, Meisterschaft spielen im neuen Club wäre interessant, amüsant, vielleicht ein wenig gemeinsam trainieren – ich schau mir das einmal an. Es konnte ja keiner voraussehen, dass ich mich jetzt auf der Eins in Schönfeld wiederfinde – mit meinem Gegner, auch so einem Single-Handicaper und vor all den Leuten – und jetzt abschlagen muss. Atem beruhige dich. Puls beruhige dich. Wen wundert’s, der Abschlag war auch für meine Verhältnisse schwach, eher grottenschlecht: kurz, rechts ins rough. Mein Gegner zeigte gleich, wie Golfspielen geht. Mit meinem zweiten Schlag, mit meinem göttlichen, himmlischen „Divine“ 9er Holz machte ich gute Meter. Mit einem ordentlichen 7er Eisen landete ich, wie mein Gegner auch, in regulation auf dem Grün. Er puttete und legte den Ball tot ans Loch. Ich puttete und er fiel. Mein Gegner konnte es nicht glauben, ich auch nicht. Was für ein Start: meine erste Meisterschaft, mein erstes relevantes Lochspiel – Birdie, eins auf. Nun, so ging es nicht weiter, aber ich konnte dieses und mein nächstes Match lange, überraschend lange offen halten. Die zwei Einzel an den ersten zwei Tage verlor ich, dennoch waren sie mir wunderbare Erlebnisse. Auch weil sich meine Gegner – ich hatte die übelsten Befürchtungen gehegt: nämlich das hinterfotzig, unfair und fies gespielt werde – als redliche Flightpartner erwiesen.

Für Sonntag teilte mich mein Captain (O Captain! My Captain! – eingedenkend Walt Whitman und Robin Williams alias John Keating) ein, im Vierer zu spielen. Mit einem Kameraden, der mir nicht wirklich und ich ihm wohl ebenso wenig ans Herz gewachsen war. Doch von der Nennung weg waren wir ein Team, unterstützten einander, richteten uns wechselseitig auf, feierten dann jeden gelungenen Schlag, jedes gewonnene Loch mit einem fist bump, einer Geste der Freude und Begeisterung. Damit wurde insbesondere für mich als vermeintlichen Individualisten der Vierer zu einer beglückenden Erfahrung. Zu Anfang wie Zwischendurch sahen wir wie die sicheren Sieger aus, doch auf der 18 hieb ich den 6er Eisen-Schlag ins Grün nicht aufs Grün, vielmehr ins Blau – des Wasserhindernisses. Doppelt unnötig: erstens, weil ich den Schlag kann und vor allem weil wir auch auf diesem Loch schon vorne lagen. Wir schlossen all square und teilten den Punkt im Vierer der NÖ MMS MidAm Herren 3B. Damit aber – wie Ihr wisst –, trug ich zum Gewinn eines halben Punktes von insgesamt bedauerlich mageren 2 ½ Punkten bei.

Meine B-er Herzbuam, ich danke Euch. Das ganze Meisterschafts-Wochenende, jede einzelne Runde, das Gemeinschaftserlebnis in und mit der Mannschaft, meine Gegner, die faire und nette Flightpartner waren, das Ryder-Cup-Feeling für den kleinen Mann, Pardon, für den kleinen Golfer waren für mich außerordentlich bereichernd und erfreulich.