Philemon und Baucis
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Aufreger, auch Amüsantes sowie schöne Geschichten vom Abschlag bis zum Grün, bis ins Loch und weit darüber hinaus.

Mit Philemon und Baucis auf dem Golfplatz

I. a) Kennen Sie den?
A: „Ich habe für meine Frau einen Satz Golfschläger bekommen.“
B: „Guter Tausch.“
I. b) Kennen Sie den?
C: „Ich habe für meinen Mann einen Satz Golfschläger bekommen.“
D: „Guter Tausch.“

II. Kennen Sie das?
Sie kommen alleine und spielen in einem Flight mit einem Paar. Das Paar streitet. Das ist nicht schön. Die Beiden hatten wohl schon auf der Herfahrt Krach. Sie gibt die Xanthippe: keifend, zänkisch, hysterisch. Er macht nicht den Sokrates, also erlaubt nicht, schon gar nicht sucht er den Dialog, sondern lässt stoisch, vielleicht mit aalglatter Missachtung oder auch nur müde geworden, alle Vorwürfe abperlen. Ich konnte ihnen leider nicht helfen. Und es wäre mir lieber gewesen, sie wären zuhause geblieben.

III. Philemon und Baucis
stehen für ein älteres Paar, welches schon lange liebevoll zusammenlebt. Sie leisten gastfreundschaftlichen Dienst an den für sie nicht als solche erkennbaren Göttern, dafür wird ihnen von diesen ein Wunsch freigestellt. Philemon wünscht: „… und weil wir die Jahre verlebten in Eintracht, Nehme die selbige Stund’ uns fort, und möchte ich niemals Schauen der Gattin Grab, noch sie mich selber bestatten!“ (Ovid/www.gottwein.de) Nach einer Reihe freudvoller gemeinsamer Jahre wurde er zur Eiche, sie gleichzeitig zur Linde, nebeneinander stehend, mit ihren Kronen verschränkt, in ihnen vereint.

IV. Es war einmal… Ein wahres Märchen:

Es begab sich im vergangenen Herbst, einer dieser versöhnlich stimmenden Herbsttage, wo sich der Nebel auflöst, noch wenige goldgelbe und rote Blätter in den schon schütteren Bäumen flattern, als mich am ersten Abschlag ein älteres Pärchen mit in die Jahre gekommenem Equipment fast ein wenig scheu, doch freundlich, begrüßte. Mein Ball war draußen, sah ich, nennen wir ihn, Philemon, zu, wie er aufteete. Dazu lässt er einen Ball und ein Wintertee – das sind zwei Gummihütchen mit einer Schnur verbunden – fallen. Mit Fuß und Driverkopf macht er eine Zange und hievt seinen Ball auf das höhere der Hütchen. Er schlägt ab, sein Ball ist nicht weit, aber draußen. Dann führt er seinen Drivergriff unter die Verbindungsschnur, hebt so, ohne sich zu bücken, sein Wintertee. Auch sie, mich an die mythische Figur Baucis erinnernd, schubste ihren Ball dem ersten Loch entgegen. Ob das eine flotte Runde werden würde? Wir marschierten los, hinein in einen bemerkenswerten Golftag, wir kamen überraschend gut voran, denn man spielte ohne Firlefanz, ohne Vermessung der Distanzen, ohne vorher fünf Probeschwünge gemacht zu haben. Er lobte und beglückwünschte mich, sie ihn und auch er freute sich, zwar zurückhaltend, über ihre Erfolge oder er tröstete und motivierte sie, wenn ihr Schlag kein so gutes Ergebnis zeitigte. Zwischendurch erzählte er mir, dass er zwei künstliche Hüftgelenke eingesetzt bekommen habe, dass er 72 Jahre alt sei. (72 Jahre und älter: Golf ein Sport, welchen man mit ein wenig glücklicher Fügung bis in erstaunlich hohes Alter mit Freude ausüben kann.) Die zwei Leute legten langsam ihre selbst auferlegte Zurückhaltung ab, offener zeigten sie ihre Freude aneinander, am Sein an sich, am beglückenden gemeinsamen Erlebnis. Wir genossen die Runde – danke, dass ich mit euch spielen durfte. Nachdem wir unsere Bälle nacheinander im 18. Loch versenkt hatten, beobachtete ich: Philemon und Baucis, sie gaben sich ein zärtliches Busserl. Besser kann man das Spiel nicht spielen.