Muss das wirklich sein?
SGGP420breit7
Chefredakteur Stephan Gürtler (links) mit Gary Player
Gedanken, Kritikpunkte und Verbesserungsvorschläge für Hobbyturniere in Österreich


Liebe Clubpräsidenten, Clubmanager, Turnierverantwortliche und Sponsoren,

ich wende mich als verärgerter Turnierspieler (und von meiner Spezies gibt es hierzulande garantiert zahlreiche) hilfesuchend an Sie. Ich möchte an dieser Stelle meinem Unmut Ausdruck verleihen und durch meine (konstruktive) Kritik hoffentlich ein gewisses Umdenken einleiten. Ich hoffe, dass zumindest ein paar wenige offene Ohren für mein Anliegen haben werden. Ich tue dies nicht als Querulant (was mir bitte niemand unterstellen möge), sondern als passionierter Golfer (und ehemals auch ambitionierter Turnierspieler) und kritischer Geist. Mich sprechen auch immer wieder frustrierte Spieler an, die keine Turniere mehr spielen wollen – und ich verstehe und teile deren Beweggründe! Gegen die ursprüngliche Intention, wonach sich Golfer sportlich miteinander messen sollen, ist natürlich nichts einzuwenden. Doch blicken wir der derzeitigen Realität einmal unvoreingenommen ins Auge (dabei spreche ich von „großen Turnieren“ mit entsprechend großem Teilnehmerfeld und  attraktiven Preisen und nicht von dem Wochentags-Turnier, bei welchem vier Teilnehmer um ein paar Tees wetteifern). Ich spreche hierbei aus langjähriger Erfahrung und gehe von dem durchschnittlichen „Regelfall“ aus und nicht von der Ausnahme (und versuche dies objektiv und ohne Übertreibung zu tun).

Normalerweise beginnt ein Turnier ab 9.00 (was für die „glücklichen“ frühen Starter bedeutet, dass sie gegen 8.00 am Platz sein müssen, um sich aufzuwärmen – wenn man noch eine Anreise von bis zu einer Stunde hinzufügt, heißt das unter dem Strich Abfahrt gegen 7.00). Nach einer Runde, die (vor allem für die späteren Starter) meistens nicht weniger als fünf (!), jedoch bis über sechs (!!!) Stunden dauert, gilt es, auf die Abendveranstaltung zu warten (die oftmals erst zwischen 19.00 und 20.30 beginnt). Wenn man dabei die Siegerehrung und alle Gänge des Menüs über sich ergehen lässt, kommt man meist nicht vor 22.00 aus dem Clubhaus (und mit der berühmten Stunde Fahrtzeit ist man dann gegen 23.00 wieder im trauten Heim). Besonders Berufstätige (zu denen selbstverständlich auch ich zähle) haben somit einen ganzen Tag ihrer wertvollen Freizeit am Golfplatz verbracht – und  das, um eine einzige (!) Runde Golf zu spielen. Daher bin ich der (sehr subjektiven) Meinung, wenn ich ohne Turnier eine Runde am Wochenende spiele, bleibt mit ein halber Tag (wobei ich dann auch nicht nach dem Wecker aufstehen muss), den ich anderwärtig nutzen kann (sei es, eine Patience zu legen, mich mit meinem Bewährungshelfer zu treffen oder zu den Anonymen Alkoholikern zu gehen). Über das Schummeln, welches teilweise en vogue zu sein scheint, und die immer mehr abhandenkommenden Umgangsformen (höfliches Grüssen scheint in einigen Clubs als unliebsames Relikt der Vergangenheit negiert zu werden) möchte ich mich hier erst gar nicht äußern!

Doch nach meinen harschen Worten möchte ich natürlich meine (durchwegs gutgemeinten) Verbesserungsvorschläge präsentieren. Wenn es die Teilnehmerzahl zulässt, halte ich einen Kanonestart für eine gute Idee (alle spielen zur gleichen Zeit, im Anschluss kann die Abendveranstaltung beginnen) oder auch ein spielen in 3er-Flights (um das Spieltempo zu beschleunigen). Weiters bin ich ein entschiedener Gegner von langem Dinieren beim Halfway-House (teilweise findet man sogar zwei oder mehr Stationen  vor). Daher mein Vorschlag zur Güte: Die Verpflegung im Vorbeigehen mitnehmen und während der Runde essen (ich selbst setze mich generell nie nieder, da ich dadurch müde werde und meine Konzentration verliere). Auch Staus auf den Par 3s würde ich den Kampf ansagen (was gibt es schlimmeres, als bereits zwei Flights am Tee warten zu sehen) – sobald ein Flight das Grün erreicht hat, sollen die Spieler zur Seite gehen, damit die nachfolgenden Spieler bereits abschlagen können (dieser Vorschlag entsprang nicht meinem innovativen und erfinderischen Geist, sondern wird auch auf der PGA Tour auf kurzen Par 4s bereits seit Jahren praktiziert). Auch sollte die Abendveranstaltung spätestens 45 Minuten nach Eintreffen des letzten Flights im Clubhaus beginnen (Wartezeiten von zwei Stunden und mehr sind für fast alle Teilnehmer höchst enervierend).

Mir bleibt nur zu hoffen, dass in Zukunft einige Clubs meinen Vorschlägen Folge leisten - damit würden Turniere sicher wieder attraktiver werden und würden daher bei mehr Spielern Zuspruch finden.
Herzlichst Ihr



Stephan Gürtler