So können auch Sie die besten Privatclubs der USA spielen
Oak Hill
Oak Hill (East) - Foto: Wolfgang Gürtler
Einige der exklusivsten Clubs können auch von "jedermann" besucht werden

Wenn man sich eine der zahllosen Bewertungen der „Top 100“ Golfplätze der USA (sei es von den US-Publikationen „Golf Digest“ oder „Golf Magazine“) ansieht, so haben alle eines gemeinsam: bei rund 80 der  angeführten Plätze handelt es sich um Privatclubs. Wer versucht, alle diese Clubs zu spielen (so wie ich es selbst schon seit bereits über einer Dekade tue), steht daher nicht nur vor einem finanziellen und logistischen Aufwand. Da diese Privatclubs in der Regel ausschließlich von Mitgliedern und deren Gästen gespielt werden können, stehen die meisten Golfarchitektur-Aficionados vor verschlossenen Toren. Wobei es bei diesen Privatclubs generell Unterschiede gibt, was die „Exklusivität“ der Clubs betrifft.

Bei einigen (Augusta National, Pine Valley, etc.) dürfen Gäste ausnahmslos nur in Begleitung ihres Gastgebers spielen. Zudem ist die Zahl der Gäste, welche Mitglieder in der Hochsaison mitnehmen dürfen, begrenzt (dies ist meines Wissen z. B. in Pine Valley, Shinnecock Hills und Winged Foot der Fall). Bei vielen anderen Clubs reicht es, wenn ein Mitglied eine Startzeit für seinen Gast arrangiert (z.B. in National Golf Links, Sand Hills, San Francisco Golf Club, etc.). Auch dieses Kontingent an Einladungen ohne Begleitung ist in der Regel pro Mitglied limitiert. In Seminole, dem besten Club Floridas, dürfen pro Tag vier Gäste ohne ein Mitglied spielen (jedoch nicht am Wochenende). In Sand Hills gibt es zudem eine „eiserne“ Regel: unbegleitete Gäste dürfen ohne ein Mitglied nur einmal in ihrem Leben dort spielen!

Ich darf mich glücklich schätzen, bereits (je nach Bewertung) rund die Hälfte der „Top 100“ der USA gespielt zu haben. Viele der renommiertesten Clubs konnte ich nur spielen, weil ich ein Mitglied kannte oder jemanden kannte, der wiederum ein Mitglied kannte (und mich sozusagen „vermittelte“). Jedoch gibt es bei vielen Clubs auch die Möglichkeit sie zu spielen, ohne ein Mitglied zu kennen. Dies kann allerdings oft mit Mühen und/oder hohem finanziellen Aufwand verbunden sein.

• Viele Clubs, die große Turniere austragen, lassen ihre Volontäre zum Dank spielen (selbst die Masters-Volontäre dürfen im Mai eine Runde spielen – die schlechte Nachricht: es werden praktisch keine neuen Volontäre mehr aufgenommen)
• Werden Sie ein Angestellter oder Caddie [wird wohl nicht möglich sein, ohne in die USA zu übersiedeln]
• Einige Clubs richten Amateurturniere aus (für die Teilnahme braucht man meist ein Handicap von rund 5 oder sogar noch besser)
• Wenn man vorgibt, an einem Haus (so es sich um eine „Real Estate Community“ handelt) oder an einer Clubmitgliedschaft interessiert zu sein, darf man fallweise eine Runde spielen
• Von vielen Clubs wird eine Runde für wohltätige Zwecke versteigert. Meistens werden (für vier Spieler) einige tausend Dollar erzielt
• Einige Clubs tragen Pro-Ams aus. Preis dafür auch mehrere tausend Dollar (pro Spieler)
• Rund 80% der Privatclubs tragen Turniere für wohltätige Zwecke aus, an denen „jedermann“ teilnehmen kann. In Shinnecock Hills wurde dieses Jahr solch ein Event ausgetragen, der Preis betrug $ 2.500 pro Spieler. Selbst renommierte, berühmte und exklusive Clubs wie Winged Foot, Baltusrol, Oakmont, Merion, Fisher’s Island, Olympic Club, Riviera, Oak Hill, Medinah und Oakland Hills können im Zuge von „Charity Outings“ besucht werden. Auf diese Weise nicht gespielt werden können (nach den Erkenntnissen meiner bisherigen Recherche): Augusta National, Cypress Point, Pine Valley, Chicago Golf Club, Seminole und The Country Club Brookline. Mir wurde von einem Freund in den USA berichtet, dass ein reicher Chinese an eine Wohltätigkeitsorganisation (deren Namen ich hier nicht nennen will) $ 125.000 (!) spendete. Dafür durfte er (mit ein oder zwei Freunden) eine Runde im Augusta National GC spielen. Für den Wahrheitsgehalt dieser Anekdote kann ich nicht garantieren, jedoch erscheint mir dies plausibel! Ich kenne zudem einen amerikanischen  Reiseveranstalter, der behauptet, unter anderem Runden in Augusta National und Cypress Point organisieren zu können. Wie das funktionieren soll (bzw. ob es überhaupt seriös ist) entzieht sich jedoch leider meiner Kenntnis. Eines weiß ich jedoch: der Preis dafür ist mit Sicherheit exorbitant!

Bei einem der weniger berühmten und exklusiven Clubs (also definitiv NICHT Augusta National, Pine Valley, Cypress Point, Seminole etc.) können Sie vor Ihrer Reise anrufen und höflich nachfragen, ob eine Möglichkeit besteht, den Kurs zu spielen – die Chancen dafür sind in der Nebensaison natürlich weitaus höher. Eine Garantie kann ich darauf leider nicht geben, aber einen Versuch kann dies allemal wert sein!

Ich wünsche allen passionierten und interessierten Golfern viel Erfolg und unvergessliche Erlebnisse.
Keep it in the short grass