Die Runde meines Lebens Part IV - Muirfield
Clubhouse verwenden
The Honourable Company of Edinburgh Golfers

Als mich letzten Herbst mein Freund (ein US-Amerikaner, der Mitglied in zwei der prestigeträchtigsten Clubs der Ostküste, der R & A und eben Muirfield ist) nach Muirfield einlud, musste ich nicht lange überlegen. Ich war zuvor erst einmal in Schottland gewesen und hatte mir daher schon seit Jahren vorgenommen, endlich einmal alle berühmten Plätze des Landes zu spielen (was ich für ein ab-
solutes „Muss" für jeden passionierten Golfer halte).

The Honourable Company of Edinburgh Golfers ist einer der ältesten Golfclubs der Welt, der 1744 in Leith gegründet wurde. Nach einer Übersiedlung nach Musselburgh fand er 1891 in Muirfield seine neue Heimat. Der Club stellte die allerersten 13 Golfregeln auf.

Muirfield wird generell zu den zehn besten Golfplätzen der Welt gezählt, in einer Bewertung einer US-Golfpublikation war er einmal sogar auf Rang eins (!) zu finden. Jack Nicklaus nannte seinen Heimatclub [in Ohio, USA] Muirfield Village. Mit Ausnahme der Championship-Abschläge wurde der Parcours seit 1936 nur geringfügig verändert und hat daher seinen historischen Charakter bis heute bewahrt. Nächsten Sommer wird das The Open Championship („British Open", wie es die Amerikaner nennen) wieder in Muirfield zu Gast sein. Dafür wurden an 15 Spielbahnen Änderungen vorgenommen - dazu zählen fünf neue Championship-Tees, neue Fairway-Bunker und neu positionierte Grünbunker. Im Gegensatz zu den klassischen Linkskursen ist es kein „Out and in" Layout, sondern zwei 9-Loch-Schleifen, die zum Clubhaus zurück kommen (Grün 9 und 18 befinden sich direkt davor).

Muirfield zählt mit Sicherheit zu den exklusivsten Golfclubs der Welt, daher ist es für Gäste nicht leicht, eine Tee-Time zu bekommen. Gäste dürfen nur an Dienstagen und Donnerstagen spielen - man muss um eine Startzeit für vier Personen ansuchen (dieses Ansuchen wird dann von den Clubverantwortlichen geprüft). Das Handicaplimit beträgt 24 für Damen und 18 für Herren. Ich rate dazu, einen Caddie zu nehmen, welcher meist interessante Anekdoten erzählt und zu dem außergewöhnlichen Gesamterlebnis noch weiter beiträgt. Alle wichtigen Informationen findet man unter www.muirfield.org.uk.

„Man sollte sich 15 Monate im Vorhinein um eine Startzeit bemühen", erklärt Secretary Alastair Brown (Start- zeiten für Mai 2013 sind bereits ausgebucht). „Wer nur für den Golfplatz zu uns kommt, hat Muirfield nicht verstanden. Bei uns geht es um die Gesamterfahrung, die weit über Golf hinausgeht", fügt Brown hinzu.

Das „Pflichtprogramm" in Muirfield ist wie folgt: Eine Golfrunde am Vormittag - Dienstag und Donnerstag darf man auch „Fourball" (Einzel, jeder spielt seinen eigenen Ball) spielen, ansonsten ist das Format generell „Foursomes" (klassischer Vierer). „Wir teilen das Mittagessen, eine Flasche Wein, warum sollen wir nicht auch einen Golfball teilen", kommentiert Brown.

Danach setzt man sich (in Hemd, Sakko und Krawatte) in den „Smoking Room" im Clubhaus (in dem ironischerweise NICHT mehr geraucht werden darf) und trinkt einen Cocktail, ein Bier oder ein Glas Wein. Anschließend begibt man sich zu einem üppigen Mahl , und normalerweise mit mehr Bier und Wein, in den „Dining Room". „Wir haben sicher eines der besten Golf-Mittagessen in ganz Schottland", berichtete mir ein stolzes Mitglied über das sensationelle Mittagsbuffet, welches jeden Tag offeriert wird. Nach einem Digestiv im „Smoking Room" spielt man am Nachmittag noch eine Runde im „Foursomes"-Format.

Für mich war der Besuch von Muirfield besonders denkwürdig, da ich zwei Nächte im Clubhaus übernachten durfte. Im ersten Stock gibt es sechs Einzelzimmer. Die Zimmer sind spartanisch eingerichtet, sie verfügen lediglich über ein Bett, einen Kasten und ein Waschbecken, aber sie bestechen dennoch durch einen außergewöhnlichen Charme. Die zwei Badezimmer (eines mit Dusche, eines mit Badewanne) müssen von den Gästen geteilt werden. Auf dem gesamten Clubareal (außer in den Zimmern) herrscht übrigens rigoroses Handyverbot, was ich persönlich sehr goutiere!

Was die Gesamterfahrung betrifft, war Muirfield sicher eines meiner bisherigen „Highlights". Meiner Meinung nach sollte jeder geschichtsbewusste Golfer einmal dort gespielt haben. Ich persönlich hoffe, bald wieder nach Muirfield eingeladen zu werden.

Keep it in the short grass