Schlagen Sie von weiter vorne ab
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TEE IT FORWARD, eine Initiative von PGA of America und USGA


Ich bin schon seit vielen Jahren der Meinung, dass die Golfplätze in Österreich (wo das Durchschnittshandicap bekanntlich bei über 30 liegt) vom normalen Herrenabschlag generell viel zu lange sind. Ich halte mich selbst für einen einigermaßen guten Spieler, jedoch schlage ich den Ball leider nicht sehr weit. Auch aus diesem Grund propagiere ich seit Jahren, dass Golfplätze mehrere Tees pro Loch (im Idealfall rund sechs) haben sollten, um Golfern eine Auswahl an Abschlägen bieten zu können.

Ich spiele in den USA häufig von rund 6.200 Yards [ca. 5.670 Meter] Tees und habe auf Plätzen mit dieser Länge einige meiner besten Runden gespielt, was wahrscheinlich kein Zufall ist. Barney Adams, Gründer von Adams Golf, rief für den Juli 2012 zusammen mit der United States Golf Association (USGA) und der PGA of America die Initiative „TEE IT FORWARD“ aus. Das Konzept dahinter stammt von Adams, eine Idee die gleichermaßen simpel wir auch logisch ist. Spieler sollen von einem vorderen Tee abschlagen, um den Platz von den relativ ähnlichen Distanzen [mit den gleichen Schlägern] wie ein Tourspieler zu spielen. Dadurch haben Golfer die Möglichkeit, den Kurs mit einer Gesamtlänge zu spielen, der ihren Fähigkeiten entspricht. Dies soll letztlich dazu führen, dass Golfer öfter mittlere und kürzere Eisen in die Grüns schlagen (statt einem Holz oder Hybrid), wodurch sie niedrigere Scores und mehr Spaß am Spiel haben sollten. Zu den häufigsten Gründen, warum Spieler mit dem Golfspiel aufhören, gehören neben den (teilweise) hohen Kosten der hohe Zeitaufwand und die Schwierigkeit des Spiels. Mit kürzeren Abschlägen erschlägt man praktisch zwei Fliegen mit einer Klappe – das Spiel sollte damit gleichermaßen leichter als auch schneller werden.

PGA Tour-Spieler schlagen praktisch nie ein Holz in ein Par 4 – warum sollten dies Hobbyspieler dann mehrmals pro Runde machen, so die Überlegung von Adams. Für viele Spieler ist ein 6.700 Yards [ca. 6.125 Meter] langer Kurs das Äquivalent eines 8.100 Yards [ca. 7.405 Meter] langen Kurses für einen PGA Tour-Spieler – das wären 700 Yards [rund 640 Meter] mehr als ein typisches PGA Tour Layout. Hierzulande spielt das Gros der Herren auf den meisten Kursen vom selben Abschlag, egal welches Handicap die Spieler haben. Viele Kurse in den USA hingegen haben mehrere Tees (meist zumindest drei, die für Herren gedacht sind), die teilweise sogar nach Handicaps gestaffelt sind. Ich spielte im Sommer wieder Chambers Bay [2015 Gastgeber des U.S. Open]: dort steht auf der Scorekarte eine Empfehlung, mit welcher durchschnittlichen Drivelänge man welchen Abschlag spielen sollte (insgesamt gibt es dort vier Tees).

Auch werden dort Anfänger oder schlechte Spieler nicht verhöhnt oder schief angesehen, wenn sie von einem der ganz vorderen Abschläge spielen. Hierzulande sind diese Abschläge hinlänglich als „Damentees“ bekannt. Warum eigentlich, sollte sich die Länge des Lochs nicht eigentlich mehr nach der durchschnittlichen Länge der Schläge als nach dem Geschlecht richten? Warum spielt selbst eine Proette von denselben
oder sogar von kürzeren Tees als ein männlicher Anfänger? Wenn Marina Stütz (eine der längsten Damen der LPGA Tour) mit mir spielen würde, würde sie von denselben Tees wie ich abschlagen! Stütz schlägt ihre Drives übrigens durchschnittlich mindestens 20 Meter weiter als ich.

Als ich letztes Jahr den Golfpark Klopein besuchte, vernahm ich mit Verwunderung, dass es dort überhaupt nur zwei Abschläge (einen für Damen und einen für Herren) gibt. Mir erscheint es doch recht unlogisch, dass ein Profi von denselben Abschlägen wie ein Spieler mit Handicap 45 spielt. Mich interessierte die durchschnittliche Länge eines österreichischen Kurses [bei Par 72] vom Herrenabschlag [gelb]. Leider wurde mir vom ÖGV mitgeteilt, dass es keine solche Statistik gibt. Meiner Erfahrung nach sind Par 72-Plätze in der Regel meist zwischen 5.800 und 6.000 Meter lang (und ebendiese Tees werden von fast allen Männern – auch von Spielern mit hohen Handicaps – verwendet).

Wenn man sich die TEE IT FORWARD Distanzen ansieht, wäre ein Platz mit dieser Gesamtlänge für einen Spieler geeignet, dessen durchschnittlicher Abschlag über 225 Meter lang ist. Meiner Erfahrung nach schlägt jedoch nur ein kleiner Prozentsatz der österreichischen Golfer entsprechend lange Drives. Ein weiteres Argument meinerseits bezieht sich auf die Architektur des Golfplatzes: wenn man von einem falschen Abschlag spielt (ich behaupte, meist wird von zu weit HINTEN gespielt), kann man den Parcours nicht so spielen, wie er vom Designer konzipiert wurde. Wenn beispielweise mehrere Par 3s so lange sind, dass der Spieler sie nicht erreichen kann, dann wurde definitiv der falsche Abschlag gewählt.

Wem macht es keinen Spaß, kürzere Schläge in die Grüns zu haben, ein besseres Score zu spielen und obendrein vielleicht auch noch weniger Bälle zu verlieren? Daher plädiere ich an das Gros der Golferinnen und Golfer (mit Ausnahme der Spieler mit niedrigen Handicaps bzw. derjenigen, die den Ball eine Meile weit schlagen), einmal eine Runde von einem Abschlag weiter vorne als üblich zu spielen.

Ganz nach dem Motto TEE IT FORWARD