Was macht einen Golfplatz großartig?
Galloway National
Galloway National GC - Atlantic City, New Jersey

Was macht einen Golfplatz großartig?

Überlegungen zu einer der diffizilsten Fragen


Zwei der Fragen, die mir am häufigsten gestellt werden, sind „welcher ist der BESTE Golfplatz, den Du je gespielt hast“ und „wonach bewertest Du einen Golfplatz“? Meine Antworten lauten meist: ich habe
glücklicherweise einige der weltbesten Golfplätze gespielt, nur einen als besten zu nennen würde den anderen Unrecht tun. Als ich Stardesigner Tom Doak fragte, welcher von zwei Weltklassekursen besser sei, meinte er dazu: „Das ist nur Haarspalterei zu sagen, dass einer besser oder schlechter ist!“

Was die Bewertungskriterien betrifft, so gibt es eine Vielzahl von Parametern, die alle zusammenspielen. So vertrete ich zum Beispiel die Meinung, dass es beinahe unmöglich ist, Kurse auf unterschiedlichem
Terrain miteinander zu vergleichen. Wie vergleicht man einen Wüstenkurs mit einem Parklandkurs, einem Linkskurs oder einem Gebirgskurs?

Das US-Golfmagazin Golf Digest hat seit 1966 eine Liste der „America’s 100 Greatest“ – alle zwei Jahre gibt es ein neues „Ranking“ der 100 besten Kurse der USA! Meine „Mission“ ist es seit Jahren, diese Top 100 zu spielen (ich kenne derzeit 50, Tendenz steigend). Golf Digest verwendet für die Erstellung ihrer Rangliste sieben Kategorien:

„Shot Values“ (gibt es „Risk/ Reward“ und werden Länge, Genauigkeit und Finesse gleichermaßen belohnt), „Resistance to Scoring“ (wie schwer, obwohl noch immer fair, ist der Kurs von den Back Tees für den Scratch-Golfer), „Design Variety“ (wie abwechslungsreich sind die Spielbahnen), „Memorability“ (= Einprägsamkeit – wie lange bleiben die Spielbahnen in Erinnerung), „Aestethics“ (wie tragen die landschaftlichen Werte – Landschaftsgestaltung, Vegetation, Szenerie – zum Genuss der Runde bei), „Conditioning“ (= Pflegezustand) und „Ambience“ (= Gesamtatmosphäre).

Die Liste, die für mich seit Langem die beste ist (ich studiere auch laufend andere Bewertungen), hat meiner Meinung nach ihre Berechtigung, auch das Bewertungssystem ist gut durchdacht – Nonplusultra ist sie aber keines. Für Diskussionen sorgt natürlich auch sie (ich gehe mit manchen Bewertungen nicht d’ accord)!

Zwei für mich wichtige Faktoren sind (neben abwechslungsreichen und interessanten Spielbahnen) Pflegezustand und Szenerie! Tom Watson meint zwar „Wenn ein Kurs in gutem Zustand sein muss, um effektiv gespielt werden zu können, dann ist die Design-Strategie falsch!“. Dem stimme ich grundsätzlich zu, nur würde ich nicht von einem guten Golfplatz sprechen, wenn der Pflegezustand inferior ist. Mitentscheidend ist sicher auch die Szenerie (Landschaft), die für mich einen wesentlichen Anteil am Gesamterlebnis hat. Nicht durch Zufall befinden sich die als die „besten“ geltenden Kurse auf  außergewöhnlichen Grundstücken (Cypress Point, Pebble Beach, Augusta National, Royal County Down, Shinnecock Hills, Sand Hills, um nur einige zu nennen). Ohne die spektakulären Klippen und den Pazifik wäre selbst Pebble Beach sicher nicht Pebble Beach!

Abschließend möchte ich Ihnen meine persönliche Conclusio präsentieren, zwei allgemeine Kriterien, auf die ich im Laufe der Jahre gekommen bin (ich entschuldige mich, dass diese nicht sehr  wissenschaftlich sind):

1) Kann ich mich nach der Runde an alle 18 Spielbahnen erinnern? Bei den meisten Kursen kann ich dies selbst nach Jahren (!) noch (was bereits viele Menschen als besondere Begabung lobten). In manchen Fällen kann ich mich jedoch bereits am 18. Loch nicht mehr an alle Löcher erinnern (was natürlich für ein „schlechtes“ Layout spricht). Ein „außergewöhnliches“ Erlebnis hatte ich auf einem Golfplatz in Las Vegas (dessen Namen ich hier nicht nennen will), auf dem ich das Gefühl hatte, ein Loch bereits zum zweiten Mal zu spielen (ich beschuldigte meinen Spielpartner, er wäre mit dem Cart zum falschen Tee gefahren, da wir dieses Loch ja bereits gespielt hätten). Zu meiner Verteidigung muss ich sagen, dass die Spielbahn der anderen (bereits gespielten) unglaublich ähnelte, selbst die Länge war fast identisch!

2) Die ultimative Frage für mich ist: wie sehr habe ich das Bedürfnis, den Platz wieder zu spielen! Dies ist für mich der alles entscheidende Maßstab! Bei den wirklich „großartigen“ Kursen würde ich am  liebsten vom 18. Grün direkt auf das erste Tee gehen um eine weitere Runde zu spielen! Wie bei allen ästhetischen Fragen kann ein Urteil (bis zu einem gewissen Grad) nur subjektiv ausfallen!

Keep it in the short grass