GOLF CLUB WIEN

„Austria’s 1st Golf Club“

„Das muss ein langweiliger Sport sein“, meinte der alte Kaiser, nachdem man ihm das Golfspiel erklärt hatte. Dennoch verpachtete er seine Krieauwiesen an den Wiener Golf Club k. k. Prater. 1901 waren eine Handvoll Fürsten, Prinzen, niederere Adelige und Exzellenzen, darunter der britische Botschafter Sir Francis Plunkett, eine treibende Kraft für das Unternehmen Golfplatz, sowie einige Bürgerliche zusammengekommen, um den Club zu gründen. „Wie werden die Österreicher das neue Spiel aufnehmen?“ – „Enthusiastisch“, befand Golf Illustrated noch im selben Jahr. Nach zunächst überschaubarem Beginn wurden in der Krieau 100 Caddies beschäftigt. 1827 wurde in Lainz ein zweiter Wiener Golfclub gegründet und ein Golfplatz errichtet. 1938 begann der Untergang nicht nur des Golfspiels in Wien. Der Mitgliederschwund – viele Spieler waren Juden, die emigrierten oder deportiert und getötet wurden – veranlasste Krieau und Lainz zu fusionieren. 1939, Kriegsbeginn, wurde der Golfplatz Krieau aufgelassen und es ward Grabeland, um Erdäpfel anzubauen; in Lainz weideten Kühe, vier verbliebene Grüns wurden zu deren Schutz eingezäunt. Nach Kriegsende: Sowjetische Truppen hier, Schrebergärtner dort, aber kein Platz für Golfer. Schließlich gelang es einer Gruppe von enthusiastischen Golfern, einen Subpachtvertrag über eine Fläche, im Wesentlichen innerhalb der Reitbahn, mit dem Rennverein Freudenau abzuschließen. Das Clubhaus des ehemaligen Polovereins übernahm man ebenfalls, jetzt ein wahres Kleinod von einem Golf-Clubhaus. 1949 konnte auf einem 9 Loch Platz wieder gegolft werden. Zuvor war in Eigeninitiative einiges zu tun, u. a. 52 Bombentrichter fand man vor. Vermutlich wurden einige kurzerhand zu sandgefüllten Hindernissen. 1950 begann der Bau der zweiten neun Löcher. Heute präsentiert sich der Platz very british, als der britischste im weiten Umkreis. Oder für den Golf Club Wien trifft das oben angesprochene Charakteristische für edle Klassiker idealtypisch zu. Kein Schickimicki, Golf pur: Manche Grüns, zum Beispiel das der 14, sind Postage Stamp Greens, mit einem Durchmesser von kaum 20 Metern und erhöht. Einige Bunker kommen klassischen Pot Bunkern schon recht nahe. Die Spielbahnen sind abwechslungsreich und wellig. Das Rough, das Harte, das Raue ist hart und rau; Ballsuchen Zeitverschwendung. Weiden, Pappeln so dick und alt, als hätten sie schon hier gestanden, bevor Josef II den Wiener Prater fürs Volk freigab. Hier pflegt man, hier lebt man Tradition. Die etwa 600 Mitglieder stehen im Ruf „schwierig“ zu sein. Nichts davon: wir trafen nur ausgesprochen freundliche Spieler und zuvorkommendes Personal. Freilich ist „Austria’s 1st Golf Club“ elitär, hierfür sorgt schon das Aufnahmegespräch und die Einschreibgebühr von 11.000 Euro. Greenfee-Spieler können den Platz von Montag bis Freitag spielen, sonst nur als Gast eines Mitglieds.