Interview Markus Brier
18-Loch Fragerunde mit Golflegende Markus Brier

Einmal Staatsmeister werden oder im Heimatclub 5 unter Par spielen heißt noch gar nichts!

Der Golf Club Wien in der Freudenau war Schauplatz unseres Interviews mit Markus Brier, dem charismatischsten Golfer Österreichs.

Wann bist Du erstmals mit dem Golfsport in Berührung gekommen?
1976, wie überlegt wurde in Hainburg einen Golfplatz zu bauen. Meine erste Einführung in den Golfsport erhielt ich gemeinsam mit meinem Vater, der aus Hainburg kommt, mit Kurt und seinem Sohn Peter Nierlich auf der damaligen Driving Range und in der Stopfenreuther Au.

Du warst lange die Nummer 1 im Amateur-Golfsport in Österreich. Was hat Dich angetrieben die Profilaufbahn einzuschlagen?
Nachdem ich mein Studium abgeschlossen hatte, wollte ich es schon mal probieren. Ich hatte 1994 und 95 auch internationale Erfolge als Amateur und dachte, ich könnte gut genug sein. Dies war eben erst mit 27 Jahren der Fall. Und Gott sei Dank ist es gut gegangen.

Gratulation zum Gewinn der Vierer-Meisterschaft 2020, gemeinsam im Team mit dem Amateur Luca Denk. Weißt Du, Dein wievielter österreichischer Meistertitel dies war?
Danke (schmunzelnd). Ich denke 7 Mal die Zählwettspiel-MS, zweimal die Matchplay und einige Male die Vierer-MS, in der Mannschaft denke ich 1-2 Mal, ich schätze so 12-15 Titel.

Welchen Rat gibst Du jungen Amateuren, die überlegen die Profilaufbahn einzuschlagen?
Man muss sich schon einmal seine Sporen verdienen. Einmal Staatsmeister oder einmal 5 unter im Club zu spielen heißt noch gar nichts. Jeder sollte sich fragen, wo stehe ich international, z.B. im Amateur-Ranking. Und wenn man in Europa nicht zu den Besten zählt, ist alles andere schon eine Art „Versuchsballon“. Sehr viel halte ich von Lukas Lipolt, der ein Riesenpotenzial hat.

Derzeit gibt es in Österreich unzählige Spieler mit + Handicaps, ist das Niveau so viel besser geworden?
Das Niveau ist zwar besser geworden, weil es dichter wurde und es mehr Spieler gibt, die um die Titel mitspielen. Doch das Handicap-System ist ein anderes. Ein +2 Handicap von heute ist mit einem 0 zu meiner Jugendzeit vergleichbar.

Drei Deiner vier Siege als Professional auf der European- und Challenge Tour waren in Österreich. Woran lag dies?
Ganz klar am Heimvorteil. Fontana kannte ich in- und auswendig, jede Welle und jedes Grün.

Du hältst noch immer den Rekord mit der besten Major Platzierung eines Österreichers. 12. Platz British Open 2007. Wem traust Du zu, diese Leistung zu übertreffen?
Dass dies Bernd Wiesberger noch nicht gelang, wundert mich selber. Er wäre längst fällig. Da muss in einer Woche aber alles zusammenpassen. Matthias Schwab und Sepp Straka fehlt noch etwas die Konstanz.

War die US PGA Tour nie im Fokus von Dir?
Eigentlich nicht. In Amerika zu leben, habe ich mir nicht vorstellen können. Natürlich ist es geil drüben zu spielen, doch bei mir stand nie das Geld im Vordergrund und ich hatte nicht das Top-Niveau um in den USA mithalten zu können, dies ist schon eine andere Liga. Bernd Wiesberger hätte dieses, darum wäre es auch ein logischer Schritt.

Du hast nie beim US Masters und bei der US Open gespielt. Was hat Deinem Spiel gefehlt, um bei diesen beiden Majors nie qualifiziert gewesen zu sein?
Du bohrst in offenen Wunden. Da müsste man es in die Top 50 der Welt schaffen und das habe ich nie erreicht. Meine beste Platzierung war 91. Was hat gefehlt: Überall ein bisserl was. In allen Belangen um 5% besser, hätte gereicht.

Wer war in all den Tourjahren Dein imposantester Spielpartner?
Ja, schon der Tiger. 3. Runde British Open 2007 mit Tiger Woods. Und da war wirklich was los! Er war sehr professionell, ließ mich zumeist das Loch vor ihm zu Ende spielen, damit nicht die Zuschauermassen während meines Putts zum nächsten Loch liefen und sehr höflich und nie ungut. Natürlich redet er wenig, aber es war schon ein Erlebnis. Und da ich bei Charity Turnieren schon mit Greg Norman und all den Top-Stars gespielt habe, war ich auch nicht nervös.

Wer waren Deine besten Kumpels und Freunde auf der Tour?
Eher viele Bekannte. Mehrheitlich mit den Deutschen und Holländern. Vor allem Sven Strüver und Marten Lafeber und Andre Bossert, mit dem ich jetzt wieder auf der Legends Tour spiele.

Wie entstand die Idee zum Junior-Ryder Spanien gegen Österreich gemeinsam mit Miguel Angel Jimenez?
Eigentlich war es die Idee von Niki Zitny, Sportdirektor des ÖGV. Da Miguel seit einigen Jahren in Österreich lebt, ist es dazu gekommen. Er findet für Spieler zwischen 13 und 18 Jahren seit 2018 statt, eine echt coole Geschichte!

Wieviele Golfplätze hast Du in Deinem Leben schon gespielt und welches sind weltweit Deine Lieblingsplätze?
Viele. Ich kann es leider nicht beziffern, aber ein paar hundert werden es schon gewesen sein. In Österreich habe ich vielleicht gerade mal die Hälfte der Plätze gespielt. In der Pension werde ich dies nochmals eruieren! Ein richtig lässiger Platz ist Royal Melbourne, dann natürlich der Old Course in St. Andrews, mir taugen einfach die Linksplätze! Und als Dritten Valderrama, schon alleine aufgrund des Zustandes und der Pflege.

Und Deine Lieblingsplätze in Österreich?
Murhof, den ich hunderte Mal gespielt habe und wo ich auch meinen 1. Profisieg fixierte. Dann Schloß Schönborn. Finde ich nach wie vor den schwersten Platz in Österreich und Adamstal, alleine aufgrund der Idee dort einen Golfplatz zu bauen! Und auch Seltenheim ist ein echter cooler Golfplatz.

Du spielst seit 2018 auf der Legends Tour. Wurdest 4 x Zweiter und 2 x Dritter. Erzähl uns bitte über Dein Tourleben?
Es ist einfach entspannter. Es spielen nur 54 Leute bei den Turnieren, es gibt keinen Cut und damit ist auch die Konkurrenz dünner. Alle haben ihr Trainingspensum schon reduziert, jedoch sind die Spieler vor und während der Runde schon sehr konzentriert. Gegen ein Bier nach der Runde und eine kleine Putting-Competition hat aber keiner etwas. Ich bin schon zufrieden mit den ersten beiden Jahren, das Preisgeld ist auch ok, das einzige was noch fehlt ist natürlich ein Sieg.

Ist hier die Champions Tour in den USA ein Ziel?
Ja, das war der Plan. 2019 war der Qualifikationsevent jedoch genau während der Finalturniere in Europa. Und ein Top 10 in der Jahreswertung in Europa ist zugleich die Startberechtigung bei 3 Champion-Majors! Dies war mir letztes Jahr sehr wichtig (Brier beendete die Saison 2019 als 10.). Steht aber 2021 wieder am Plan! Aber in die USA würde ich nach wie vor nicht übersiedeln.

Du bist dem österreichischen Golfsport weiterhin verbunden. Was sind Deine Aufgaben?
Bei der Murhof Gruppe mache ich hauptsächlich Kunden- und Firmentage. Beim Golfverband bin ich Playing Tour Coach, kümmere mich um die Turnierbetreuung, spiele mit den Jungen oder begleite sie auf der Runde betreffend Course Management. Unterrichte aber in keinster Weise.

Du bist Golf-Ambassador der Falkensteiner Hotels & Resorts. Was sind Deine Aufgaben?
Falkensteiner ist mein Hauptsponsor (und zeigt auf seine Kappe mit dem Logo). Ich betreue Kunden bei Events mit Golf-Clinicen und spiele auch mit ihnen Golf. In nächster Zeit machen wir in einem der Falkensteiner Hotels in Südtirol Urlaub!

Viele Golfer betätigen sich als Golfplatz-Designer. Ein Ziel von Dir in Zukunft?
Ich habe es ja schon mit Klosterneuburg probiert. Leider wurde das Projekt nie realisiert. Momentan kein Thema, solange mir das Golfspiel so viel Spaß macht. Wobei mit Gerhard Frühling (GC Frühling) habe ich zwei Jahre an einem Re-Design gearbeitet. Vielleicht in 10 Jahren.

Markus Brier
Geboren am 5. Juli 1968 in Wien
Verheiratet mit Sabine seit 1998
Kinder: Constantin (21 Jahre, will Pilot werden), Felipa (14 Jahre) – „beiden hat Golf nie getaugt“, so Markus Brier
European Tour, 369 Turniere, 2 Siege, 3 x Zweiter, 1 x Dritter, € 4.116.257 (BA-CA Open 2006, Volvo China Open 2007)
Challenge Tour, 109 Turniere, 2 Siege, 5 x Zweiter, 6 x Dritter, € 123.110 (Austrian Open 2002, BA-CA Open 2004)
Legends Tour, seit 2018, 29 Turniere, 4 x Zweiter, 2 x Dritter, € 248.994
Beste Major-Platzierung: 12. Platz British Open 2007

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